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Radon im Haus: Wo ist das Risiko im Landkreis Lörrach und Waldshut höher?

Artikel 494 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Radon
Radon · Foto PantaRhei, CC BY-SA 4.0

Wer im Landkreis Lörrach oder Waldshut ein Haus kauft oder neu baut, stößt früher oder später auf den Begriff Radonvorsorgegebiet.

Das klingt dramatischer, als es gemeint ist.

Ein Radonvorsorgegebiet ist kein Sperrgebiet und auch keine Aussage darüber, dass jedes Gebäude dort belastet ist.

Es ist eine behördlich festgelegte Region, in der erhöhte Radonwerte in Gebäuden häufiger zu erwarten sind als im Bundesdurchschnitt.

Woher kommt Radon?

Radon entsteht natürlicherweise im Boden.

Es ist:

  • unsichtbar,
  • geruchlos,
  • geschmacklos.

Im Freien verdünnt es sich sehr schnell.

Problematisch kann es werden, wenn Bodenluft mit Radon in ein Gebäude gelangt und sich dort bei geringem Luftaustausch ansammelt.

Typische Eintrittsstellen sind:

  • Risse in Bodenplatte und Kellerwand,
  • undichte Arbeitsfugen,
  • Rohrdurchführungen,
  • Kabeldurchführungen,
  • Fugen zwischen Boden und Wand,
  • nicht ausreichend abgedichtete Schächte.

Radonwerte sind deshalb nicht nur eine Frage der Geologie.

Zwei Häuser nebeneinander können unterschiedliche Werte haben, weil sie:

  • anders gegründet,
  • unterschiedlich dicht,
  • unterschiedlich belüftet

sind.

Welche Gemeinden am Hochrhein sind offiziell Radonvorsorgegebiet?

Stand September 2026 sind in Baden-Württemberg insgesamt 29 Gemeinden als Radonvorsorgegebiete ausgewiesen.

Davon liegen:

  • 13 im Landkreis Lörrach
  • 7 im Landkreis Waldshut

Landkreis Lörrach

Offiziell ausgewiesen sind:

  • Aitern
  • Böllen
  • Fröhnd
  • Häg-Ehrsberg
  • Kleines Wiesental
  • Schönau im Schwarzwald
  • Schönenberg
  • Todtnau
  • Tunau
  • Utzenfeld
  • Wembach
  • Wieden
  • Zell im Wiesental

Landkreis Waldshut

Offiziell ausgewiesen sind:

Damit liegt ein großer Teil der ausgewiesenen Gemeinden im Hochschwarzwald und in den höher gelegenen Schwarzwaldtälern.

Die Städte Lörrach, Weil am Rhein, Rheinfelden, Bad Säckingen und Waldshut-Tiengen stehen dagegen derzeit nicht auf der offiziellen Liste der Radonvorsorgegebiete.

Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass dort keine erhöhten Werte auftreten können.

Die offizielle Karte

Die LUBW veröffentlicht eine Übersichtskarte für ganz Baden-Württemberg:

Radonvorsorgegebiete am Hochrhein
Aitern · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Bad Bellingen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Binzen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Böllen · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Efringen-Kirchen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Eimeldingen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Fischingen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Fröhnd · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Hasel · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Hausen im Wiesental · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Inzlingen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Kandern · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Lörrach · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Maulburg · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Rheinfelden (Baden) · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Rümmingen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Schallbach · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Schliengen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Schönau im Schwarzwald · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Schönenberg · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Schopfheim · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Schwörstadt · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Steinen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Todtnau · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Tunau · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Utzenfeld · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Weil am Rhein · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Wembach · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Wieden · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Wittlingen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Zell im Wiesental · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Malsburg-Marzell · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Grenzach-Wyhlen · Landkreis Lörrach · kein Vorsorgegebiet Häg-Ehrsberg · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Kleines Wiesental · Landkreis Lörrach · Radonvorsorgegebiet Albbruck · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Bernau im Schwarzwald · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Bonndorf im Schwarzwald · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Dachsberg · Landkreis Waldshut · Radonvorsorgegebiet Dettighofen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Dogern · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Görwihl · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Grafenhausen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Häusern · Landkreis Waldshut · Radonvorsorgegebiet Herrischried · Landkreis Waldshut · Radonvorsorgegebiet Höchenschwand · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Hohentengen am Hochrhein · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Ibach · Landkreis Waldshut · Radonvorsorgegebiet Jestetten · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Klettgau · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Lauchringen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Laufenburg · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Lottstetten · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Murg · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Rickenbach · Landkreis Waldshut · Radonvorsorgegebiet Bad Säckingen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet St. Blasien · Landkreis Waldshut · Radonvorsorgegebiet Stühlingen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Todtmoos · Landkreis Waldshut · Radonvorsorgegebiet Wehr · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Weilheim · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Wutöschingen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Eggingen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Küssaberg · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Waldshut-Tiengen · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Wutach · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Ühlingen-Birkendorf · Landkreis Waldshut · kein Vorsorgegebiet Oberes Wiesental13 Gemeinden Hotzenwald und St. Blasien7 Gemeinden Lörrach Waldshut-Tiengen Bad Säckingen
  • Radonvorsorgegebiet (20 Gemeinden)
  • übrige Gemeinden der Landkreise Lörrach und Waldshut

Gemeinden nach der offiziellen Liste der LUBW, Lage als Ortsmitte (Wikidata). Die Einstufung gilt für das ganze Gemeindegebiet; sie sagt nichts über ein einzelnes Haus – das zeigt nur eine Messung.

Quelle und aktuelle Gemeindeliste:lubw.baden-wuerttemberg.de

Für eine interaktive Karte kann zusätzlich das Geoportal des Bundesamts für Strahlenschutz verwendet werden:

imis.bfs.de/geoportal/

Dort kann man näher an eine konkrete Region heranzoomen.

Was bedeutet „Vorsorgegebiet“ statistisch?

Die Strahlenschutzverordnung sieht eine Ausweisung vor, wenn aufgrund wissenschaftlicher Prognosen in einem erheblichen Teil eines Gebiets damit zu rechnen ist, dass der Referenzwert in einer beträchtlichen Anzahl von Gebäuden überschritten wird.

Für Baden-Württemberg wurden unter anderem:

  • das prognostizierte geogene Radonpotential,
  • der Urangehalt im Boden

ausgewertet.

Die LUBW erläutert die Grundidee so:

Bundesweit wird mit Überschreitungen des Referenzwerts in ungefähr 3 von 100 Gebäuden gerechnet.

Für Radonvorsorgegebiete wurde bei der Gebietsausweisung erwartet, dass es mindestens 10 von 100 Gebäuden betrifft.

Das ist eine statistische Gebietsaussage.

Sie sagt nicht:

„Mein Haus hat mit 10 Prozent Wahrscheinlichkeit Radon.“

Ein einzelnes Gebäude kann sehr niedrige oder deutlich höhere Werte haben.

Neue Messdaten aus Baden-Württemberg von 2026

Im März 2026 veröffentlichte das Umweltministerium die Ergebnisse eines großen Innenraum-Messprogramms.

Rund 1.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten in Baden-Württemberg über ein Jahr gemessen.

In den untersuchten Gebäuden innerhalb der Vorsorgegebiete lag in gut einem Drittel mindestens ein gemessener Raum über dem Referenzwert von 300 Bq/m³.

Landesweit waren es bei den untersuchten Gebäuden knapp 15 Prozent.

Das ist ein wichtiges Signal dafür, Radon ernst zu nehmen.

Man sollte daraus aber nicht den Satz machen:

„Jedes dritte Haus im Schwarzwald hat zu viel Radon.“

Die Zahlen beziehen sich auf die Gebäude, die an diesem Messprogramm teilgenommen haben. Sie sind keine individuelle Prognose für ein bestimmtes Haus und keine exakte Quote für jede einzelne Gemeinde.

Warum Gemeinden außerhalb der Liste trotzdem messen sollten

Das Umweltministerium betont aufgrund des Messprogramms von 2026 ausdrücklich:

Erhöhte Radonwerte können auch außerhalb von Radonvorsorgegebieten auftreten.

Das ist logisch.

Die amtliche Gebietsausweisung muss irgendwo eine Verwaltungsgrenze ziehen.

Radon im Boden hält sich aber nicht an Gemeindegrenzen.

Zusätzlich entscheidet die Bauweise des Hauses darüber, wie viel Bodenluft tatsächlich eindringen kann.

Wo im Haus sind hohe Werte am wahrscheinlichsten?

Radon gelangt normalerweise aus dem Boden in das Gebäude.

Deshalb sind besonders interessant:

  • Kellergeschoss,
  • Erdgeschoss,
  • Räume mit direktem Erdkontakt.

Die Konzentration nimmt in vielen Häusern nach oben hin ab.

Ein Kellerraum kann deshalb deutlich höhere Werte zeigen als ein Schlafzimmer im zweiten Obergeschoss.

Besonders relevant ist ein Keller, wenn er nicht nur Lagerraum ist, sondern als:

  • Büro,
  • Gästezimmer,
  • Hobbyraum,
  • Schlafzimmer

genutzt wird.

Was bedeutet die Karte für einen Grundstückskäufer?

Grundstück liegt im Vorsorgegebiet

Dann wissen Sie bereits vor dem Kauf:

Bei einem Neubau gelten zusätzliche Anforderungen an den Radonschutz.

Das ist kein Grund gegen den Grundstückskauf.

Die Maßnahmen lassen sich beim Neubau normalerweise wesentlich einfacher einplanen als später nachrüsten.

Grundstück liegt außerhalb

Dann entfällt die besondere Zusatzanforderung des Radonvorsorgegebiets.

Der allgemeine gesetzliche Radonschutz bei Neubauten gilt trotzdem.

Und bei einem bestehenden Gebäude kann eine Messung unabhängig von der Gebietskulisse sinnvoll sein.

Die wichtigste Unterscheidung

Radonkarte = regionale Wahrscheinlichkeit

Radonmessung = Situation im konkreten Gebäude

Diese beiden Informationen sollte man nicht verwechseln.

Quellen

  1. LUBW: Radonvorsorgegebiete mit Karte und vollständiger Gemeindelistelubw.baden-wuerttemberg.de
  2. Umweltministerium Baden-Württemberg: Allgemeinverfügung zu den Radonvorsorgegebietenum.baden-wuerttemberg.de
  3. Umweltministerium: Ergebnisse des Radon-Innenraummessprogramms vom 13.03.2026um.baden-wuerttemberg.de
  4. LUBW: Radon messenlubw.baden-wuerttemberg.de
  5. BfS: interaktives Geoportalimis.bfs.de