Radon im Haus: Wo ist das Risiko im Landkreis Lörrach und Waldshut höher?

Wer im Landkreis Lörrach oder Waldshut ein Haus kauft oder neu baut, stößt früher oder später auf den Begriff Radonvorsorgegebiet.
Das klingt dramatischer, als es gemeint ist.
Ein Radonvorsorgegebiet ist kein Sperrgebiet und auch keine Aussage darüber, dass jedes Gebäude dort belastet ist.
Es ist eine behördlich festgelegte Region, in der erhöhte Radonwerte in Gebäuden häufiger zu erwarten sind als im Bundesdurchschnitt.
Woher kommt Radon?
Radon entsteht natürlicherweise im Boden.
Es ist:
- unsichtbar,
- geruchlos,
- geschmacklos.
Im Freien verdünnt es sich sehr schnell.
Problematisch kann es werden, wenn Bodenluft mit Radon in ein Gebäude gelangt und sich dort bei geringem Luftaustausch ansammelt.
Typische Eintrittsstellen sind:
- Risse in Bodenplatte und Kellerwand,
- undichte Arbeitsfugen,
- Rohrdurchführungen,
- Kabeldurchführungen,
- Fugen zwischen Boden und Wand,
- nicht ausreichend abgedichtete Schächte.
Radonwerte sind deshalb nicht nur eine Frage der Geologie.
Zwei Häuser nebeneinander können unterschiedliche Werte haben, weil sie:
- anders gegründet,
- unterschiedlich dicht,
- unterschiedlich belüftet
sind.
Welche Gemeinden am Hochrhein sind offiziell Radonvorsorgegebiet?
Stand September 2026 sind in Baden-Württemberg insgesamt 29 Gemeinden als Radonvorsorgegebiete ausgewiesen.
Davon liegen:
- 13 im Landkreis Lörrach
- 7 im Landkreis Waldshut
Landkreis Lörrach
Offiziell ausgewiesen sind:
- Aitern
- Böllen
- Fröhnd
- Häg-Ehrsberg
- Kleines Wiesental
- Schönau im Schwarzwald
- Schönenberg
- Todtnau
- Tunau
- Utzenfeld
- Wembach
- Wieden
- Zell im Wiesental
Landkreis Waldshut
Offiziell ausgewiesen sind:
- Dachsberg
- Häusern
- Herrischried
- Ibach
- Rickenbach
- Sankt Blasien
- Todtmoos
Damit liegt ein großer Teil der ausgewiesenen Gemeinden im Hochschwarzwald und in den höher gelegenen Schwarzwaldtälern.
Die Städte Lörrach, Weil am Rhein, Rheinfelden, Bad Säckingen und Waldshut-Tiengen stehen dagegen derzeit nicht auf der offiziellen Liste der Radonvorsorgegebiete.
Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass dort keine erhöhten Werte auftreten können.
Die offizielle Karte
Die LUBW veröffentlicht eine Übersichtskarte für ganz Baden-Württemberg:
- Radonvorsorgegebiet (20 Gemeinden)
- übrige Gemeinden der Landkreise Lörrach und Waldshut
Gemeinden nach der offiziellen Liste der LUBW, Lage als Ortsmitte (Wikidata). Die Einstufung gilt für das ganze Gemeindegebiet; sie sagt nichts über ein einzelnes Haus – das zeigt nur eine Messung.
Quelle und aktuelle Gemeindeliste:lubw.baden-wuerttemberg.de
Für eine interaktive Karte kann zusätzlich das Geoportal des Bundesamts für Strahlenschutz verwendet werden:
Dort kann man näher an eine konkrete Region heranzoomen.
Was bedeutet „Vorsorgegebiet“ statistisch?
Die Strahlenschutzverordnung sieht eine Ausweisung vor, wenn aufgrund wissenschaftlicher Prognosen in einem erheblichen Teil eines Gebiets damit zu rechnen ist, dass der Referenzwert in einer beträchtlichen Anzahl von Gebäuden überschritten wird.
Für Baden-Württemberg wurden unter anderem:
- das prognostizierte geogene Radonpotential,
- der Urangehalt im Boden
ausgewertet.
Die LUBW erläutert die Grundidee so:
Bundesweit wird mit Überschreitungen des Referenzwerts in ungefähr 3 von 100 Gebäuden gerechnet.
Für Radonvorsorgegebiete wurde bei der Gebietsausweisung erwartet, dass es mindestens 10 von 100 Gebäuden betrifft.
Das ist eine statistische Gebietsaussage.
Sie sagt nicht:
„Mein Haus hat mit 10 Prozent Wahrscheinlichkeit Radon.“
Ein einzelnes Gebäude kann sehr niedrige oder deutlich höhere Werte haben.
Neue Messdaten aus Baden-Württemberg von 2026
Im März 2026 veröffentlichte das Umweltministerium die Ergebnisse eines großen Innenraum-Messprogramms.
Rund 1.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten in Baden-Württemberg über ein Jahr gemessen.
In den untersuchten Gebäuden innerhalb der Vorsorgegebiete lag in gut einem Drittel mindestens ein gemessener Raum über dem Referenzwert von 300 Bq/m³.
Landesweit waren es bei den untersuchten Gebäuden knapp 15 Prozent.
Das ist ein wichtiges Signal dafür, Radon ernst zu nehmen.
Man sollte daraus aber nicht den Satz machen:
„Jedes dritte Haus im Schwarzwald hat zu viel Radon.“
Die Zahlen beziehen sich auf die Gebäude, die an diesem Messprogramm teilgenommen haben. Sie sind keine individuelle Prognose für ein bestimmtes Haus und keine exakte Quote für jede einzelne Gemeinde.
Warum Gemeinden außerhalb der Liste trotzdem messen sollten
Das Umweltministerium betont aufgrund des Messprogramms von 2026 ausdrücklich:
Erhöhte Radonwerte können auch außerhalb von Radonvorsorgegebieten auftreten.
Das ist logisch.
Die amtliche Gebietsausweisung muss irgendwo eine Verwaltungsgrenze ziehen.
Radon im Boden hält sich aber nicht an Gemeindegrenzen.
Zusätzlich entscheidet die Bauweise des Hauses darüber, wie viel Bodenluft tatsächlich eindringen kann.
Wo im Haus sind hohe Werte am wahrscheinlichsten?
Radon gelangt normalerweise aus dem Boden in das Gebäude.
Deshalb sind besonders interessant:
- Kellergeschoss,
- Erdgeschoss,
- Räume mit direktem Erdkontakt.
Die Konzentration nimmt in vielen Häusern nach oben hin ab.
Ein Kellerraum kann deshalb deutlich höhere Werte zeigen als ein Schlafzimmer im zweiten Obergeschoss.
Besonders relevant ist ein Keller, wenn er nicht nur Lagerraum ist, sondern als:
- Büro,
- Gästezimmer,
- Hobbyraum,
- Schlafzimmer
genutzt wird.
Was bedeutet die Karte für einen Grundstückskäufer?
Grundstück liegt im Vorsorgegebiet
Dann wissen Sie bereits vor dem Kauf:
Bei einem Neubau gelten zusätzliche Anforderungen an den Radonschutz.
Das ist kein Grund gegen den Grundstückskauf.
Die Maßnahmen lassen sich beim Neubau normalerweise wesentlich einfacher einplanen als später nachrüsten.
Grundstück liegt außerhalb
Dann entfällt die besondere Zusatzanforderung des Radonvorsorgegebiets.
Der allgemeine gesetzliche Radonschutz bei Neubauten gilt trotzdem.
Und bei einem bestehenden Gebäude kann eine Messung unabhängig von der Gebietskulisse sinnvoll sein.
Die wichtigste Unterscheidung
Radonkarte = regionale Wahrscheinlichkeit
Radonmessung = Situation im konkreten Gebäude
Diese beiden Informationen sollte man nicht verwechseln.
Quellen
- LUBW: Radonvorsorgegebiete mit Karte und vollständiger Gemeindelistelubw.baden-wuerttemberg.de
- Umweltministerium Baden-Württemberg: Allgemeinverfügung zu den Radonvorsorgegebietenum.baden-wuerttemberg.de
- Umweltministerium: Ergebnisse des Radon-Innenraummessprogramms vom 13.03.2026um.baden-wuerttemberg.de
- LUBW: Radon messenlubw.baden-wuerttemberg.de
- BfS: interaktives Geoportalimis.bfs.de