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Sollte man in einem alten Haus vor dem Kauf Radon messen?

Artikel 525 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Radon
Radon · Foto PantaRhei, CC BY-SA 4.0

Bei einem bestehenden Haus gibt es eine einfache Tatsache:

Die beste Radonkarte kann Ihnen nicht sagen, wie hoch der Wert im Wohnzimmer dieses Hauses ist.

Das kann nur eine Messung.

Deshalb kann eine Radonmessung vor dem Kauf besonders sinnvoll sein, wenn das Haus:

  • in einem Radonvorsorgegebiet liegt,
  • einen bewohnten Keller hat,
  • teilweise in einen Hang gebaut ist,
  • sehr alte erdberührte Bauteile besitzt,
  • sichtbare Risse oder viele Durchführungen hat,
  • nachträglich sehr luftdicht saniert wurde.

Besteht beim privaten Hauskauf eine Messpflicht?

Nein.

Das Umweltministerium Baden-Württemberg stellt ausdrücklich klar:

Das Strahlenschutzgesetz verpflichtet Privatpersonen nicht dazu, in den eigenen Aufenthaltsräumen Radonmessungen durchzuführen oder bestehende Wohngebäude allein deshalb zu sanieren.

Das ist etwas anderes als:

  • Neubaupflichten,
  • Messpflichten an bestimmten Arbeitsplätzen.

Für einen privaten Käufer ist die Messung deshalb vor allem ein Instrument zur Risikoprüfung.

Warum reicht die Radonkarte nicht?

Die Radonvorsorgegebiete werden auf Gemeindeebene ausgewiesen.

Die tatsächliche Konzentration im Haus hängt aber stark ab von:

  • Radonangebot im Boden,
  • Durchlässigkeit des Bodens,
  • Gründungsart,
  • Rissen,
  • Keller,
  • Abdichtung,
  • Luftdichtheit,
  • Lüftungsverhalten,
  • Druckverhältnissen im Haus.

Deshalb können zwei Gebäude in derselben Straße unterschiedliche Werte haben.

Die LUBW sagt ausdrücklich:

Aus den regionalen Prognosekarten können keine Aussagen zu einzelnen Gebäuden oder Grundstücken abgeleitet werden.

Wie wird Radon gemessen?

Für private Wohnräume eignet sich ein kleines passives Radon-Exposimeter.

Es sieht ungefähr wie eine kleine Kunststoffdose aus.

Das Gerät:

  • braucht keinen Strom,
  • macht kein Geräusch,
  • bleibt im Raum liegen,
  • wird nach Ende der Messung an ein Labor geschickt.

Im Detektor werden die Spuren des Radonzerfalls erfasst und anschließend ausgewertet.

Wo sollte man messen?

Die LUBW empfiehlt vor allem regelmäßig genutzte Räume im:

  • Kellergeschoss,
  • Erdgeschoss.

Zum Beispiel:

  • Wohnzimmer im Erdgeschoss,
  • Schlafzimmer,
  • Büro,
  • Hobbyraum im Keller.

Bei einem Hauskauf kann es sinnvoll sein, mindestens einen repräsentativen regelmäßig genutzten Raum im untersten bewohnten Geschoss und – wenn relevant – einen Kellerraum zu messen.

Die Räume sollten während der Messung normal benutzt werden.

Es hilft nicht, vor der Messung plötzlich permanent die Fenster offen zu lassen.

Sie wollen wissen, wie das Gebäude im üblichen Alltag funktioniert.

Wie lange sollte gemessen werden?

Der Referenzwert von 300 Bq/m³ bezieht sich auf den Jahresmittelwert.

Deshalb ist eine Messung über zwölf Monate ideal.

Die LUBW empfiehlt eine Langzeitmessung und nennt bei Exposimetern grundsätzlich einen Messzeitraum von mindestens zwei bis zu zwölf Monaten.

Je länger gemessen wird, desto besser bildet das Ergebnis unterschiedliche Jahreszeiten ab.

Das Problem beim Hauskauf: Niemand wartet zwölf Monate

Genau hier muss man zwischen perfekter Messung und praktischer Kaufentscheidung unterscheiden.

Beste Lösung

Der Verkäufer hat bereits eine fachgerecht durchgeführte Langzeitmessung.

Dann sollte man prüfen:

  • welcher Raum,
  • welcher Zeitraum,
  • welches Messgerät,
  • welches Labor,
  • wie wurde der Raum genutzt?

Zweitbeste Lösung

Wenn genügend Zeit vorhanden ist:

Mindestens zwei Monate mit Exposimetern messen.

Die LUBW empfiehlt bei kürzeren Messungen eher Frühjahr oder Herbst.

Ungünstig

Nur im Hochsommer messen.

Dann wird häufig viel gelüftet. Das Ergebnis kann den Jahresmittelwert unterschätzen.

Ebenfalls problematisch

Nur im Winter messen und das Ergebnis ungeprüft als Jahreswert behandeln.

Durch geringeren Luftwechsel und stärkere Druckunterschiede können Winterwerte höher ausfallen.

Kann man ein elektronisches Messgerät für eine schnelle Prüfung benutzen?

Elektronische Geräte können sehr nützlich sein.

Sie zeigen:

  • zeitlichen Verlauf,
  • Unterschiede zwischen Tag und Nacht,
  • Auswirkungen des Lüftens.

Für eine sehr kurze Kaufprüfung können sie Hinweise liefern.

Ein Messwert über ein Wochenende ist aber nicht dasselbe wie der gesetzliche Jahresmittelwert.

Bei einer wichtigen Kaufentscheidung sollte ein Kurzzeitwert deshalb nicht als scheinbar exakte Jahresprognose verkauft werden.

Was bedeutet ein Messwert über 300 Bq/m³?

300 Bq/m³ ist ein Referenzwert, kein magischer Übergang zwischen „gesund“ und „gefährlich“.

Das Strahlenschutzgesetz verwendet ihn als Orientierung für den Jahresmittelwert.

Wenn er überschritten wird, sollte die Radonkonzentration gesenkt werden.

Auch unterhalb des Referenzwerts gilt grundsätzlich:

Wenn sich der Wert mit vertretbarem Aufwand weiter reduzieren lässt, ist eine niedrigere Exposition sinnvoll.

Bedeutet ein hoher Wert: Haus nicht kaufen?

Nicht automatisch.

Radon kann häufig technisch reduziert werden.

Mögliche Maßnahmen sind zum Beispiel:

  • Risse abdichten,
  • Leitungsdurchführungen schließen,
  • Keller gegen Wohnbereich abdichten,
  • Lüftung verbessern,
  • Unterbodenabsaugung,
  • Radonsauger,
  • größere Abdichtungsmaßnahmen.

Die richtige Maßnahme hängt stark davon ab, woher das Radon eintritt.

Vor einer Kaufentscheidung sollte deshalb nicht nur gefragt werden:

„Wie hoch ist der Wert?“

Sondern:

„Mit welchem Aufwand lässt sich die Ursache bei diesem Gebäude sinnvoll beheben?“

Bei deutlich erhöhten Werten kann eine Radonfachperson das Gebäude untersuchen.

Besonders wichtig bei energetisch sanierten Häusern

Ein älteres Gebäude kann jahrzehntelang durch undichte:

  • Fenster,
  • Dach,
  • Fugen

einen hohen natürlichen Luftwechsel gehabt haben.

Nach einer energetischen Sanierung wird das Haus dichter.

Das ist energetisch sinnvoll.

Wenn Radon aus dem Boden eintritt, kann die geringere Luftwechselrate aber dazu führen, dass sich mehr Radon in Innenräumen ansammelt.

§ 123 Strahlenschutzgesetz weist bei baulichen Veränderungen, die den Luftwechsel erheblich vermindern, ausdrücklich darauf hin, Radonschutzmaßnahmen in Betracht zu ziehen.

Bei einem frisch sanierten Altbau ist deshalb die Aussage:

„Hier wurde alles neu und dicht gemacht“

für das Thema Radon nicht automatisch nur positiv.

Sie ist ein guter Grund, die tatsächlichen Werte zu messen.

Was sollte ein Käufer den Verkäufer fragen?

  1. Wurde jemals Radon gemessen?
  2. Gibt es Messprotokolle?
  3. Welche Räume wurden gemessen?
  4. Wie lange?
  5. Wurde der Keller nachträglich ausgebaut?
  6. Wurden Fenster oder Fassade luftdicht saniert?
  7. Gibt es Abdichtungsunterlagen für Bodenplatte oder Keller?
  8. Wurden Risse im Keller repariert?
  9. Gibt es eine Lüftungsanlage?

Die Antworten ersetzen keine Messung, helfen aber, die Gebäudesituation zu verstehen.

Was kostet eine einfache Messung?

Die LUBW nennt für passive Exposimeter typischerweise ungefähr 30 bis 50 Euro pro Gerät inklusive Laborauswertung.

In der Messkampagne des Landes 2026 wurden Messdosen aktuell auch in einer Größenordnung von etwa 25 bis 30 Euro genannt.

Das ist im Verhältnis zum Kaufpreis eines Hauses eine sehr günstige Gebäudediagnostik.

Fazit

Vor einem Hauskauf ist eine Radonmessung besonders dort sinnvoll, wo:

  • Geologie,
  • Gebäudekonstruktion,
  • Nutzung des Kellers

ein erhöhtes Risiko plausibel machen.

Aber auch außerhalb von Vorsorgegebieten gilt:

Nicht die Karte entscheidet über das Haus. Die Messung entscheidet über das Haus.

Quellen

  1. LUBW: Wie messe ich Radon?lubw.baden-wuerttemberg.de
  2. LUBW: Keller und Erdgeschoss auf Radon überprüfenlubw.baden-wuerttemberg.de
  3. Umweltministerium: Radonsicher lebenum.baden-wuerttemberg.de
  4. Umweltministerium: gesetzliche Regelungenum.baden-wuerttemberg.de
  5. § 124 Strahlenschutzgesetz – Referenzwertgesetze-im-internet.de
  6. § 123 Strahlenschutzgesetz – Neubau und bauliche Veränderungengesetze-im-internet.de