Wie baut man radonsicher? Bodenplatte, Abdichtung und Lüftung einfach erklärt

Radonsicheres Bauen klingt zunächst nach einer Spezialtechnologie.
Bei einem normalen Wohnhaus besteht es aber meistens aus gut verständlichen Prinzipien.
Radon soll möglichst:
- gar nicht erst aus dem Boden ins Haus gelangen,
- sich nicht unkontrolliert im Haus ausbreiten,
- und sich nicht in Aufenthaltsräumen ansammeln.
Daraus ergeben sich drei technische Ebenen:
dichter erdberührter Baukörper + beherrschte Bodenluft + ausreichender Luftwechsel.
Warum kommt Radon überhaupt ins Haus?
Radon sitzt nicht wie Wasser als sichtbare Pfütze unter dem Gebäude.
Es befindet sich in der Bodenluft.
Schon kleine Druckunterschiede reichen aus, damit Bodenluft durch Undichtigkeiten in ein Gebäude strömt.
Im Haus kann eine leichte Sogwirkung entstehen durch:
- warme aufsteigende Innenluft,
- Kamin,
- Abluftventilatoren,
- Dunstabzug,
- mechanische Lüftung mit ungünstiger Druckbalance.
Dadurch kann ein Haus Bodenluft regelrecht ansaugen.
Deshalb sind selbst kleine Fugen relevant.
Ebene 1: Eine möglichst dichte Bodenplatte
Die Bodenplatte ist die große Trennfläche zwischen Gebäude und Boden.
Bei einer geeigneten Konstruktion wird deshalb darauf geachtet:
- Rissbildung zu begrenzen,
- Arbeitsfugen zu planen,
- Anschlüsse dicht auszuführen,
- Material und Dicke passend festzulegen.
Das Gesetz nennt ausdrücklich die Begrenzung der Rissbildung und die Verwendung geeigneter diffusionshemmender Betone als mögliche Radonschutzmaßnahme.
Bedeutet „Beton ist dicht“ automatisch „Haus ist radondicht“?
Nein.
Die Fläche kann hervorragend sein, während das Radon an den Details eintritt.
Typische Schwachpunkte sind:
- Fuge Bodenplatte–Wand,
- Rohrdurchführung,
- Bodenablauf,
- Kabelrohr,
- nachträgliche Bohrung,
- Riss.
Radonsicheres Bauen ist deshalb sehr stark Detailplanung.
Ebene 2: Abdichtung beziehungsweise Radonmembran
Eine geeignete radonhemmende Bahn kann eine zusätzliche Barriere bilden.
Sie muss:
- flächig,
- mit überlappenden beziehungsweise systemgerecht verbundenen Stößen,
- sauber an Wände angeschlossen,
- um jede Durchführung herum dicht
ausgeführt werden.
Eine hochwertige Membran mit zehn schlecht ausgeführten Rohrdurchführungen ist kein gutes System.
Der wichtige Begriff lautet deshalb:
konvektionsdicht verarbeitet.
Damit ist gemeint, dass nicht nur die Diffusion durch das Material begrenzt wird, sondern vor allem keine Bodenluft durch offene Fugen strömen kann.
Ebene 3: Mehrspartenhauseinführung und Leitungen
Viele Eintrittsstellen entstehen dort, wo das Haus technisch versorgt wird.
Bei Neubauten ist eine geplante Mehrspartenhauseinführung oder ein vergleichbares dichtes System meist deutlich besser als mehrere improvisierte Kernbohrungen.
Zu planen sind beispielsweise:
- Trinkwasser,
- Strom,
- Glasfaser,
- Fernwärme beziehungsweise andere Leitungen,
- Wärmepumpenleitungen.
Auch spätere Leitungen sollte man mitdenken.
Eine nachträgliche Bohrung durch ein bereits funktionierendes Radonschutzsystem muss wieder fachgerecht abgedichtet werden.
Ebene 4: Radondrainage oder Radonsauger unter dem Gebäude
Eine andere technische Strategie setzt unter der Bodenplatte an.
Die Idee:
Radonhaltige Bodenluft wird abgeführt, bevor sie in das Haus gelangt.
Je nach System kann unter dem Gebäude eine:
- gut durchlässige Schicht,
- Rohrleitung,
- Sammelstelle
vorgesehen werden.
Diese kann zunächst passiv funktionieren oder so vorbereitet werden, dass später bei Bedarf ein Ventilator angeschlossen werden kann.
Ein solches System wird oft als:
- Radondrainage,
- Radonsauger,
- Radonbrunnen
bezeichnet, wobei die konkrete technische Ausführung unterschiedlich sein kann.
Der Vorteil eines Neubaus:
Solche Leitungen lassen sich vor Herstellung der Bodenplatte vergleichsweise einfach einbauen.
Nach Fertigstellung des Hauses wird es deutlich aufwendiger.
Ebene 5: Druckverhältnisse
Wenn im Haus ein starker Unterdruck herrscht, steigt die Tendenz, Bodenluft durch kleine Öffnungen einzusaugen.
Deshalb kann bei mechanischer Lüftung eine ausgeglichene Zu- und Abluft sinnvoll sein.
Ein einfaches Beispiel:
Eine starke Abluftanlage saugt ständig Luft aus einem sehr dichten Haus.
Diese Luft muss irgendwo nachströmen.
Wenn keine ausreichende Zuluft vorgesehen ist, kann ein Teil über Leckagen aus dem Untergrund kommen.
Das bedeutet nicht, dass Abluftanlagen grundsätzlich problematisch sind.
Es bedeutet:
Luftdichtheit und Lüftung müssen als System geplant werden.
Ebene 6: Lüften
Regelmäßiger Luftaustausch senkt die Radonkonzentration im Raum.
Bei einem Bestandsgebäude mit mäßig erhöhten Werten kann richtiges Lüften bereits einen spürbaren Unterschied machen.
Beim Neubau sollte Lüften aber nicht die einzige Schutzstrategie sein.
Das bessere Prinzip ist:
Radon zuerst am Eintritt hindern und anschließend einen guten Luftwechsel sicherstellen.
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung kann einen gleichmäßigen Luftaustausch gewährleisten. Das Umweltministerium empfiehlt bei solchen Anlagen aus energetischen Gründen eine Wärmerückgewinnung.
Haus mit Keller: Was ist anders?
Bei einem Keller gibt es mehr erdberührte Fläche.
Radon kann nicht nur über die Bodenplatte, sondern auch über:
- Kellerwände,
- Wand-Boden-Anschlüsse,
- Durchführungen
eintreten.
Besonders relevant wird das, wenn der Keller Aufenthaltsräume enthält.
Ein Lagerkeller, in dem jemand fünf Minuten pro Woche verbringt, ist hinsichtlich der persönlichen Exposition anders zu bewerten als ein tägliches Homeoffice im Untergeschoss.
Haus ohne Keller
Auch hier besteht direkter Kontakt zum Boden.
Die Bodenplatte liegt unmittelbar unter dem Erdgeschoss.
Ein Haus ohne Keller ist deshalb nicht automatisch „radonfrei“.
Im Gegenteil:
Fehlt die Pufferzone eines nicht bewohnten Kellers, sollte die Trennung zwischen Baugrund und Wohnbereich besonders sauber geplant werden.
Hanghaus
Am Hochrhein kommen häufig teilweise eingegrabene Untergeschosse vor.
Dann kann ein Geschoss:
- auf der Talseite normale Außenfassade,
- auf der Bergseite erdberührte Kellerwand
sein.
Für den Radonschutz zählt die tatsächliche Konstruktion.
Ein bergseitig eingegrabenes Schlafzimmer oder Büro sollte genauso ernst genommen werden wie ein klassischer Kellerraum.
Welche Lösung ist die beste?
Es gibt keine einzige Konstruktion für jedes Grundstück.
Mögliche Faktoren sind:
- Radonvorsorgegebiet ja/nein,
- Keller oder Bodenplatte,
- Baugrund,
- Wasserbeanspruchung,
- Abdichtungskonzept,
- Lüftung,
- Nutzung des Untergeschosses.
Das Umweltministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass bei schwierigeren Fällen auch eine Kombination verschiedener Maßnahmen notwendig sein kann.
DIN/TS 18117-1
Das Umweltministerium verweist für bau- und lüftungstechnische Radonschutzmaßnahmen auf die DIN/TS 18117-1.
Für den privaten Bauherrn ist nicht wichtig, die Norm selbst zu berechnen.
Wichtig ist die Frage:
„Ist unser Radonschutz nach den anerkannten technischen Regeln geplant und sind alle Anschlussdetails festgelegt?“
Qualitätskontrolle auf der Baustelle
Radonschutz kann auf dem Plan perfekt aussehen und auf der Baustelle an kleinen Details scheitern.
Vor dem Betonieren oder Verschließen der Konstruktion sollte deshalb geprüft werden:
- Ist die Abdichtung unbeschädigt?
- Sind Überlappungen geschlossen?
- Sind alle Durchführungen dicht?
- Sind Randanschlüsse korrekt?
- Sind geplante Unterbodenleitungen vorhanden?
Fotos der verdeckten Details sind für die spätere Gebäudedokumentation sinnvoll.
Nach Fertigstellung messen?
Bei einem privaten Wohnhaus besteht nicht automatisch eine gesetzliche Messpflicht.
Eine freiwillige Messung kann trotzdem sinnvoll sein.
Sie beantwortet die wichtigste praktische Frage:
Hat das Schutzkonzept im fertigen Gebäude tatsächlich funktioniert?
Das gilt besonders bei einem Haus im Radonvorsorgegebiet oder bei regelmäßig genutzten Räumen im Keller.
Quellen
- § 154 Strahlenschutzverordnunggesetze-im-internet.de
- § 123 Strahlenschutzgesetzgesetze-im-internet.de
- Umweltministerium Baden-Württemberg: Radonsicher bauenum.baden-wuerttemberg.de
- Umweltministerium: Radonsicher lebenum.baden-wuerttemberg.de
- LUBW: Radonvorsorgegebietelubw.baden-wuerttemberg.de