Was bedeuten HQ10, HQ50, HQ100 und Extrem auf der Hochwasserkarte?

Die Bezeichnungen wirken komplizierter, als sie sind.
Das „HQ“ steht vereinfacht für einen bestimmten Hochwasserabfluss.
Die Zahl dahinter beschreibt die statistische Häufigkeit eines solchen Abflusses.
Wichtig:
HQ100 bedeutet nicht: „So ein Hochwasser kommt exakt alle 100 Jahre.“
Es ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage.
HQ10 – häufigeres Hochwasser
HQ10 bezeichnet einen Hochwasserabfluss, der statistisch eine jährliche Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent hat, erreicht oder überschritten zu werden.
Die vereinfachte Alltagssprache lautet:
„Zehnjährliches Hochwasser.“
Das darf man nicht so verstehen, dass nach einem HQ10 neun Jahre garantiert Ruhe ist.
Zwei entsprechend große Hochwasser können auch in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auftreten.
Wenn Ihr Grundstück bereits in der HQ10-Fläche liegt, handelt es sich im Vergleich zu den anderen dargestellten Szenarien um eine relativ häufige Überflutungsgefährdung.
HQ50
HQ50 entspricht einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von 2 Prozent.
Vereinfacht spricht man vom „fünfzigjährlichen Hochwasser“.
Auch hier handelt es sich nicht um einen festen Kalender.
HQ100
HQ100 entspricht einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von 1 Prozent.
Umgangssprachlich:
„Jahrhunderthochwasser.“
Der Begriff „Jahrhunderthochwasser“ ist etwas unglücklich, weil er bei vielen Menschen den Eindruck erzeugt:
„Wenn es 2024 ein Jahrhunderthochwasser gab, kommt das nächste ungefähr 2124.“
Das ist falsch.
Die statistische Wahrscheinlichkeit startet jedes Jahr neu.
Warum HQ100 rechtlich besonders wichtig ist
In Baden-Württemberg gelten HQ100-Flächen nach § 65 Wassergesetz automatisch als festgesetzte Überschwemmungsgebiete.
Für sie gelten deshalb unter anderem die Schutzvorschriften der §§ 78 ff. Wasserhaushaltsgesetz.
Damit ist HQ100 nicht nur eine Versicherungs- oder Technikangabe.
Es kann direkte Auswirkungen auf:
- Baugenehmigung,
- Grundstücksnutzung,
- Geländeveränderungen,
- Heizölanlagen
haben.
- HQ10: jährlich 10 % · in 30 Jahren 96 %
- HQ50: jährlich 2 % · in 30 Jahren 45 %
- HQ100: jährlich 1 % · in 30 Jahren 26 %
Rechnung: 1 − (1 − p)ⁿ, jedes Jahr neu mit derselben Wahrscheinlichkeit, so wie die Hochwasserkarten sie angeben. Sie sagt nichts über Wassertiefe oder Starkregen aus.
Was bedeutet Extrem beziehungsweise HWextrem?
Das Extremszenario beschreibt ein sehr seltenes, außergewöhnlich großes Hochwasser.
Die LUBW bezeichnet es in den technischen Informationen auch als HWextrem.
Anders als HQ10, HQ50 und HQ100 sollte man dieses Szenario nicht einfach mit einer festen Wiederkehrzahl wie „HQ1000“ gleichsetzen.
Es ist ein Extremfall, bei dem unter anderem:
- ungewöhnlich hohe Abflüsse,
- extreme Niederschlags- und Abflussereignisse,
- zusätzliche Rückstaueffekte
berücksichtigt werden können.
Die LUBW nennt beispielsweise auch blockierte Brückendurchlässe als möglichen Faktor.
Warum ist die Extremfläche oft sehr viel größer?
Hochwasserschutzanlagen werden auf bestimmte Bemessungsereignisse ausgelegt.
Ein Extremereignis kann diese Bemessungsgrenze überschreiten.
Dann können:
- Dämme überströmt,
- Schutzanlagen überlastet,
- bisher geschützte Flächen überschwemmt
werden.
Deshalb zeigt die Extremkarte auch Gebiete, die beim HQ100 trocken bleiben.
Welche Farbe ist gefährlicher?
In der LUBW-Flächenkarte gilt:
dunkleres Blau = häufigere Überflutung
Ein Bereich innerhalb HQ10 wird also häufiger erreicht als eine Fläche, die nur im Extremszenario betroffen ist.
Aber die Farbe allein reicht für die Schadensbewertung nicht.
Häufigkeit und Wassertiefe sind zwei verschiedene Dinge
Beispiel:
Grundstück A
HQ10 betroffen, aber rechnerisch nur sehr geringe Wassertiefe im hinteren Garten.
Grundstück B
Erst bei HQ100 betroffen, dann aber mit hoher Wassertiefe am Gebäude.
Welches Haus technisch problematischer ist, lässt sich aus dem Szenarionamen allein nicht beantworten.
Deshalb immer zusätzlich Überflutungstiefe ansehen.
Fließgeschwindigkeit kann ebenfalls wichtig sein
30 cm langsam stehendes Wasser und 30 cm schnell strömendes Wasser sind nicht dieselbe Belastung.
Strömung kann:
- Türen stärker belasten,
- Gegenstände mitreißen,
- Erosion verursachen,
- Personen gefährden.
Bei kommunalen Starkregengefahrenkarten werden deshalb häufig zusätzlich Fließgeschwindigkeiten dargestellt.
Was bedeutet „hinter einem Damm trocken“?
Nicht:
„Kein Risiko.“
Sondern:
„Bei dem berechneten Szenario hält die berücksichtigte Schutzwirkung das Wasser voraussichtlich zurück.“
Beim Extremszenario kann die Situation anders aussehen.
Für einen langfristigen Immobilienkauf sollte deshalb auch die Fläche hinter einem Hochwasserschutzbauwerk betrachtet werden.
Was bedeutet HQ100 für eine Immobilienanzeige?
Wenn ein Verkäufer schreibt:
„Das Grundstück ist hochwassergeschützt.“
fragen Sie genauer:
- Gegen welches Ereignis?
- HQ10?
- HQ50?
- HQ100?
- Liegt es in HQextrem?
- Gibt es einen Damm?
- Welche Überflutungstiefe wird berechnet?
- Gibt es zusätzlich Starkregenrisiko?
„Hochwassergeschützt“ ist ohne Bemessungsniveau keine technische Information.
Die einfache Übersetzung
| Begriff | Einfache Bedeutung | jährliche statistische Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| HQ10 | relativ häufiges Hochwasser | 10 % |
| HQ50 | selteneres Hochwasser | 2 % |
| HQ100 | seltenes Hochwasser mit besonderer rechtlicher Bedeutung | 1 % |
| Extrem / HWextrem | sehr seltenes Extremszenario | keine einfache feste Jahreszahl |
Merksatz
HQ100 bedeutet nicht „einmal alle 100 Jahre“, sondern „in jedem Jahr besteht statistisch eine Wahrscheinlichkeit von 1 Prozent für einen entsprechend hohen oder höheren Abfluss“.
Quellen
- LUBW: Hochwassergefahrenkarten – Erläuterung HQ10, HQ50, HQ100 und HWextremudo.lubw.baden-wuerttemberg.de
- Hochwasserportal Baden-Württemberghochwasser.baden-wuerttemberg.de
- Service-BW: Hochwassergefahrenkarten nutzenservice-bw.de