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Wie erkennt man, wohin das Wasser bei Starkregen auf dem Grundstück fließt?

Artikel 594 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Wasser, Rhein und Starkregen
Wasser, Rhein und Starkregen · Foto Karl Friedrich Lang (Großvater) 1884-1920 Laufenburg., Public domain

Für eine erste Starkregenprüfung braucht man kein Hydraulikstudium.

Man muss das Grundstück zunächst wie eine kleine Landschaft betrachten.

Die wichtigste Frage lautet:

Wenn in 30 Minuten sehr viel mehr Wasser fällt, als Boden und Kanal aufnehmen können – wohin fließt der Rest?

Schritt 1: Den höchsten und tiefsten Punkt finden

Wasser bewegt sich grundsätzlich vom höheren zum niedrigeren Gelände.

Das klingt banal.

Auf einem bebauten Grundstück ist der Weg aber oft durch:

  • Mauern,
  • Bordsteine,
  • Terrassen,
  • Rampen,
  • Wege

verändert.

Prüfen Sie deshalb:

  • Straßenhöhe,
  • Grundstückseinfahrt,
  • Erdgeschoss,
  • Garten,
  • Kelleröffnungen.

Schritt 2: Straße als möglichen Wasserweg betrachten

Viele Grundstücke werden nicht vom eigenen Garten geflutet, sondern von der Straße.

Fragen Sie:

  • Wo kommt die Straße her?
  • Fällt sie über 100 oder 200 m zum Grundstück?
  • Gibt es oberhalb eine Kreuzung?
  • Kann ein Bordstein Wasser zur Einfahrt führen?
  • Liegt das Grundstück an einer Kurve?

Eine Straße sammelt Niederschlag aus einer großen befestigten Fläche.

Bei überlasteten Gullys kann daraus schnell erheblicher Oberflächenabfluss entstehen.

Schritt 3: Die Einfahrt prüfen

Eine Zufahrt kann entweder:

  • Wasser vom Haus wegführen,
  • oder es zum Haus sammeln.

Besonders kritisch:

abgesenkte Garage oder Tiefgarageneinfahrt.

Wenn die Rampe direkt von der Straße nach unten führt, sollte es möglichst einen Höhenpunkt beziehungsweise eine Schwelle geben, über die Straßenwasser nicht einfach hinwegfließt.

Schritt 4: Lichtschächte ansehen

Jeder Lichtschacht ist eine Öffnung unter oder nahe Geländeniveau.

Fragen:

  • Wie hoch steht die Oberkante über dem Gelände?
  • Liegt der Schacht in einer Mulde?
  • Gibt es eine Abdeckung?
  • Wohin entwässert er?
  • Kann die Entwässerung bei Rückstau funktionieren?

Eine Lichtschachtentwässerung in den Kanal löst nicht automatisch das Problem, wenn gerade der Kanal überlastet ist.

Schritt 5: Kellerabgang

Gehen Sie die Außentreppe zum Keller hinunter und stellen Sie sich vor:

Der Ablauf unten funktioniert für einige Minuten nicht.

Wo steht das Wasser?

Wenn die Antwort lautet:

„Direkt vor der Kellertür“,

ist die Schutzstrategie sehr stark von einer kleinen Entwässerungsstelle abhängig.

Das sollte bei Neubau oder Umbau verbessert werden.

Schritt 6: Terrassentüren

Moderne Häuser haben oft fast schwellenlose Übergänge zur Terrasse.

Das ist komfortabel und barrierearm.

Bei einer Terrasse, die Wasser zum Gebäude führt, kann eine sehr niedrige Schwelle aber zum Eintrittspunkt werden.

Barrierefreiheit und Starkregenschutz müssen deshalb gemeinsam geplant werden.

Mögliche Lösungen hängen vom Gesamtaufbau ab:

  • Gefälle vom Gebäude weg,
  • Entwässerungsrinne,
  • überdachte Zone,
  • geeignete Türdetails,
  • ausreichende Höhenplanung.

Schritt 7: Nachbargrundstücke mitdenken

Wasser hält sich nicht an Flurstücksgrenzen.

Ein höheres Nachbargrundstück kann Wasser in Ihre Richtung leiten.

Umgekehrt darf Ihre eigene Planung nicht einfach große Wassermengen zum tiefer liegenden Nachbarn schicken.

Eine neue Mauer oder Aufschüttung kann Fließwege verändern.

Schritt 8: Hang oberhalb ansehen

Bei einem Grundstück am Hang:

  • Wie groß ist die Fläche oberhalb?
  • Gibt es einen Waldweg?
  • Acker?
  • Wiese?
  • Straße?
  • Graben?

Ein kleiner natürlicher Geländeeinschnitt kann bei Starkregen plötzlich eine große Wassermenge konzentrieren.

Schritt 9: Notwasserweg einplanen

Das beste Grundstückskonzept verhindert nicht zwingend, dass Wasser auf das Grundstück kommt.

Es sorgt dafür, dass es möglichst schadlos vorbeifließen kann.

Ein geplanter Notwasserweg kann beispielsweise über:

  • Garten,
  • offene Grünfläche,
  • seitlichen Weg

geführt werden.

Er sollte nicht durch:

  • Wohnzimmer,
  • Lichtschacht,
  • Kellerabgang

führen.

Schritt 10: Kommunale Starkregenkarte verwenden

Wenn vorhanden, ist sie die beste Ergänzung zur Vor-Ort-Betrachtung.

Besonders interessant sind:

  • Fließwege,
  • Fließgeschwindigkeit,
  • Überflutungstiefe.

Vergleichen Sie die Karte anschließend mit der Realität.

Wurde seit der Kartenerstellung:

  • ein Neubaugebiet gebaut,
  • Gelände verändert,
  • eine Mauer errichtet,
  • eine Straße umgebaut?

Die LUBW weist darauf hin, dass Eingangsdaten bei neuen Baugebieten gegebenenfalls aktualisiert werden müssen.

Ein einfacher Besichtigungstrick

Besichtigen Sie ein interessantes Grundstück zusätzlich bei starkem Regen.

Nicht bei gefährlichem Unwetter.

Aber ein normaler kräftiger Regen zeigt bereits:

  • wo Pfützen entstehen,
  • welche Gullys überfordert wirken,
  • wo Wasser von der Straße kommt,
  • welche Stellen dauerhaft nass sind.

Das ersetzt keine Starkregenmodellierung, ist aber sehr aufschlussreich.

Quellen

  1. LUBW: Starkregenrisikomanagementlubw.baden-wuerttemberg.de
  2. Hochwasser Baden-Württemberg: Starkregenhochwasser.baden-wuerttemberg.de
  3. Hochwasser Baden-Württemberg: Flyer Gebäudeschutzhochwasser.baden-wuerttemberg.de