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Starkregen: Warum ein Haus weit vom Fluss trotzdem überflutet werden kann

Artikel 584 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Wasser, Rhein und Starkregen
Wasser, Rhein und Starkregen · Foto Karl Friedrich Lang (Großvater) 1884-1920 Laufenburg., Public domain

Der nächste Fluss ist zwei Kilometer entfernt.

Das Grundstück liegt nicht im HQ100-Gebiet.

Trotzdem läuft bei einem Gewitter Wasser durch die Kellertür.

Das ist kein Widerspruch.

Starkregen und Flusshochwasser sind zwei verschiedene Gefahren.

Was ist Starkregen?

Bei Starkregen fällt in kurzer Zeit sehr viel Niederschlag auf eine relativ kleine Fläche.

Das Problem:

  • Boden kann das Wasser nicht schnell genug aufnehmen,
  • Kanalisation kann die Menge nicht vollständig ableiten,
  • Wasser fließt über die Geländeoberfläche.

Dabei entstehen kurzfristig neue „Bäche“ an Stellen, an denen normalerweise überhaupt kein Gewässer existiert.

Jeder Ort kann betroffen sein

Die LUBW formuliert es sehr klar:

Bei Starkregen ist es grundsätzlich gleichgültig, ob man an einem Gewässer wohnt oder nicht.

Solche Ereignisse können abseits von Fließgewässern schwere Überflutungen verursachen.

Nach Angaben der LUBW gehen in Baden-Württemberg im langjährigen Mittel ungefähr 50 Prozent der Hochwasserschäden auf solche Starkregenereignisse zurück.

Das macht die Starkregenprüfung für Grundstückskäufer genauso wichtig wie die klassische Hochwasserkarte.

Wohin läuft das Wasser?

Wasser folgt der Schwerkraft.

Es sucht:

  • Tiefpunkte,
  • Mulden,
  • Straßen,
  • Wege,
  • Gräben,
  • Hofeinfahrten.

Eine asphaltierte Straße kann bei einem extremen Regen zeitweise wie ein kleiner Fluss funktionieren.

Ein Bordstein kann Wasser:

  • führen,
  • umlenken,
  • an einer Einfahrt auf ein Grundstück schicken.

Warum der Kanal nicht alles aufnehmen kann

Kanalnetze werden nicht so dimensioniert, dass jedes theoretisch mögliche Extremereignis vollständig unterirdisch abgeführt werden kann.

Das wäre technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Bei extremem Niederschlag bleibt deshalb ein Teil des Wassers an der Oberfläche.

Genau für diese Situation ist es wichtig, natürliche beziehungsweise geplante Notwasserwege zu verstehen.

Besonders gefährdet: abgesenkte Garagenzufahrt

Ein klassisches Beispiel:

Die Straße steigt leicht an.

Die Zufahrt zur Tiefgarage oder Kellergarage fällt dagegen nach unten.

Während des Starkregens fließt Wasser auf der Straße.

Die niedrigste Öffnung ist die Garagenrampe.

Dann entsteht eine direkte Leitung zum Untergeschoss.

Ein kleiner Entwässerungsrost vor dem Garagentor kann extreme Wassermengen häufig nicht allein bewältigen.

Deshalb sollte die Höhenplanung verhindern, dass Oberflächenwasser überhaupt ungebremst in die Rampe gelangt.

Zweiter Klassiker: Lichtschacht

Ein Lichtschacht liegt nur wenige Zentimeter über dem Garten.

Wasser staut sich im Gelände.

Dann wird der Lichtschacht zum kleinen Becken.

Das Kellerfenster liegt am Boden dieses Beckens.

Das Land empfiehlt deshalb unter anderem:

  • Lichtschachtoberkanten erhöhen,
  • druckwasserdichte Lösungen bei entsprechender Gefährdung prüfen.

Dritter Klassiker: Kellerabgang

Eine Außentreppe in den Keller ist ebenfalls eine künstliche Geländesenke.

Sie kann bei Starkregen Wasser sammeln.

Wenn am unteren Ende nur ein kleiner Ablauf vorhanden ist und der Kanal gleichzeitig überlastet ist, kann das Wasser vor der Kellertür steigen.

Hanggrundstück

Am Hochrhein ist das besonders relevant.

Ein Gebäude kann:

  • weit vom Rhein entfernt,
  • hoch über dem Tal

liegen und trotzdem Starkregenwasser von einem oberhalb gelegenen Hang bekommen.

Auf einem steilen Hang beschleunigt Oberflächenwasser schnell.

Wege und Grundstücksgrenzen können es zusätzlich konzentrieren.

Landwirtschaftliche Fläche oberhalb

Auch die Fläche oberhalb des Hauses spielt eine Rolle.

Je nach:

  • Boden,
  • Bewuchs,
  • Hangneigung,
  • Bodenfeuchte

kann unterschiedlich viel Wasser oberflächlich abfließen.

Ein Grundstück am unteren Ende eines großen Einzugsgebiets kann deshalb stärker betroffen sein als das Nachbargrundstück wenige Meter höher.

Wie helfen Starkregengefahrenkarten?

Kommunale Starkregengefahrenkarten modellieren unterschiedliche Szenarien.

Typisch werden dargestellt:

  • Überflutungstiefe,
  • Fließrichtung,
  • Fließgeschwindigkeit.

Damit kann man erkennen:

  • wo Wasser herkommt,
  • welche Straße zur Abflussrinne wird,
  • wo sich Wasser sammelt.

Das ist für ein Baugrundstück oft wertvoller als die reine Entfernung zum nächsten Fluss.

Keine Starkregenkarte vorhanden – was dann?

Dann kann man trotzdem eine erste Geländeanalyse machen.

Prüfen:

  • digitales Geländemodell,
  • Höhenplan,
  • Straße,
  • oberhalb liegende Einzugsfläche,
  • natürliche Rinnen,
  • Gräben,
  • Geländemulden.

Für einen anspruchsvollen Bauplatz kann ein Tiefbau- oder Wasserbauingenieur den Oberflächenabfluss genauer beurteilen.

Wichtig: Starkregenkarte ist ein Modell

Auch eine gute Starkregenkarte ist keine Garantie dafür, dass Wasser exakt entlang einer bestimmten Linie fließt.

Ein Ereignis kann beeinflusst werden durch:

  • parkende Fahrzeuge,
  • Mauern,
  • neue Gebäude,
  • verstopfte Einläufe,
  • Baustellen,
  • Vegetation.

Die Karte ist ein sehr gutes Planungsinstrument – kein exakter Film des nächsten Gewitters.

Quellen

  1. LUBW: Starkregenrisikomanagementlubw.baden-wuerttemberg.de
  2. Hochwasser Baden-Württemberg: Was ist Starkregen?hochwasser.baden-wuerttemberg.de
  3. LUBW: FAQ Starkregenlubw.baden-wuerttemberg.de
  4. Hochwasser Baden-Württemberg: Gebäudeschutz bei Starkregenhochwasser.baden-wuerttemberg.de