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Keller vor Starkregen schützen: Was schon in der Planung entschieden werden sollte

Artikel 604 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Wasser, Rhein und Starkregen
Wasser, Rhein und Starkregen · Foto Karl Friedrich Lang (Großvater) 1884-1920 Laufenburg., Public domain

Der beste Zeitpunkt für Starkregenschutz ist nicht nach dem ersten gefluteten Keller.

Er ist vor dem Bau.

Viele wirksame Maßnahmen kosten in der Planung wenig, werden nach Fertigstellung aber aufwendig.

Der wichtigste Grundsatz lautet:

Wasser möglichst vom Gebäude fernhalten, statt nur zu versuchen, es im Keller wieder abzupumpen.

1. Erdgeschoss nicht unnötig tief setzen

Schon wenige Dezimeter Höhenunterschied können bei Oberflächenwasser entscheidend sein.

Wenn technisch und planungsrechtlich möglich, sollte das fertige Fußbodenniveau nicht unnötig unter:

  • Straße,
  • Zufahrt,
  • umliegendem Gelände

liegen.

Das bedeutet nicht, jedes Haus auf einen künstlichen Hügel zu setzen.

Es bedeutet:

Die Höhenplanung muss Starkregen bewusst berücksichtigen.

2. Oberflächengefälle vom Haus weg

Das Gelände direkt am Gebäude sollte nicht unbemerkt als Trichter zum Haus funktionieren.

Terrassen und befestigte Flächen brauchen eine geplante Entwässerung.

Prüfen:

  • Gefällerichtung,
  • Rinnen,
  • Notüberlauf,
  • Versickerung,
  • Anschlussmöglichkeiten.

Wichtig ist auch der Extremfall:

Was passiert, wenn die normale Entwässerung voll ist?

3. Lichtschächte hoch genug ausbilden

Das Land nennt erhöhte Lichtschachtoberkanten ausdrücklich als einfache Schutzmaßnahme.

Ein Lichtschacht sollte nicht der niedrigste Punkt im Garten sein.

Je nach Gefährdung können zusätzlich:

  • druckwasserdichte Fenster,
  • druckwasserdichte Lichtschachtsysteme

notwendig sein.

4. Kellertreppe nicht zur Regenrinne machen

Ein außenliegender Kellerabgang sollte so gestaltet sein, dass Oberflächenwasser nicht einfach hineinläuft.

Mögliche Planungsbausteine:

  • Aufkantung,
  • Gefälle weg vom Abgang,
  • Überdachung,
  • ausreichend dimensionierte Entwässerung,
  • Notstrategie bei Rückstau.

Nur ein Ablauf unten ist kein vollständiges Starkregenkonzept.

5. Garagenrampe schützen

Eine tiefliegende Garage ist ein klassischer Risikopunkt.

Planerisch möglich sind je nach Situation:

  • Hochpunkt vor der Rampe,
  • Aufkantung,
  • leistungsfähige Entwässerung,
  • Rückhalteraum,
  • Schutzsystem am Tor.

Das Land empfiehlt für tief liegende Zufahrten und Öffnungen auch bauliche Schwellen beziehungsweise Anrampungen.

6. Rückstauebene verstehen

Wenn die Kanalisation voll ist, kann Wasser bis zu einem bestimmten Niveau zurückstauen.

Die örtliche Entwässerungssatzung und Planung definieren die maßgeblichen Anforderungen.

Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene müssen entsprechend geschützt werden.

Typische technische Lösungen:

  • Rückstauverschluss,
  • Hebeanlage.

Welche davon richtig ist, hängt davon ab:

  • welche Abwässer anfallen,
  • ob die Ablaufstelle während des Rückstaus benutzt werden muss,
  • wie die lokale Entwässerungssatzung formuliert ist.

7. Warum eine Hebeanlage oft robuster sein kann

Bei einer Hebeanlage wird Abwasser aus tiefliegenden Bereichen über die Rückstauebene gehoben.

Damit wird eine physische Trennung zum Rückstau geschaffen.

Ein Rückstauverschluss funktioniert anders und ist nur für geeignete Anwendungsfälle zulässig.

Das sollte der Sanitärplaner entscheiden und nicht der Bauherr nach Produktwerbung im Internet.

8. Grundwasser getrennt behandeln

Eine Rückstauklappe hilft nicht gegen Grundwasser.

Ein höherer Lichtschacht hilft nicht gegen Wasserdruck unter der Bodenplatte.

Wenn hoher Grundwasserstand möglich ist, braucht das Gebäude eine geeignete Abdichtung.

Die Hochwasservorsorge Baden-Württemberg nennt dafür beim Neubau beispielsweise:

  • Weiße Wanne,
  • Schwarze Wanne.

Entscheidend ist, dass der zu erwartende Wasserdruck vor der Planung ermittelt wird.

9. Auftrieb nicht vergessen

Ein wasserdichter Keller ist vereinfacht ein großer leerer Behälter im Boden.

Wenn außen das Grundwasser stark steigt, wirkt Auftrieb.

Deshalb muss bei entsprechender Situation nicht nur die Dichtheit, sondern auch die Auftriebssicherheit nachgewiesen werden.

Das ist eine Aufgabe für Tragwerks- und Baugrundplanung.

10. Hauseinführungen abdichten

Wasser kann auch entlang von:

  • Stromkabeln,
  • Wasserleitungen,
  • Telekomleitungen

in den Keller gelangen.

Eine sauber geplante Mehrspartenhauseinführung ist wesentlich besser als spätere improvisierte Öffnungen.

11. Empfindliche Haustechnik höher anordnen

Wenn ein Keller trotz aller Maßnahmen ein Restrisiko hat, sollte nicht das gesamte technische Nervensystem des Hauses an seinem tiefsten Punkt liegen.

Überlegen Sie bei:

ob eine höhere Anordnung möglich ist.

12. Schutzsysteme müssen ohne lange Vorwarnzeit funktionieren

Starkregen kann sehr kurzfristig auftreten.

Das Land weist deshalb bei Schutztoren und -wänden darauf hin, dass automatische Systeme vorteilhaft sein können.

Ein Schutzsystem, für das der Eigentümer erst:

  • aus dem Urlaub zurückfahren,
  • zehn Platten montieren

muss, ist bei einem Gewitter nur begrenzt zuverlässig.

Neubau-Checkliste

Quellen

  1. Hochwasser Baden-Württemberg: Starkregen und Bauvorsorgehochwasser.baden-wuerttemberg.de
  2. Hochwasser Baden-Württemberg: Hochwasser- und Starkregenvorsorgehochwasser.baden-wuerttemberg.de
  3. Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Starkregen, Überflutung und Rückstauverbraucherzentrale-bawue.de
  4. LUBW: Starkregenrisikomanagementlubw.baden-wuerttemberg.de