Hochrhein Bau Suche

Schneelastzone: So finden Sie die Schneelast für Ihr Grundstück heraus

Artikel 655 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Schnee und Höhenlage
Schnee und Höhenlage · Foto Willy Pragher, CC BY 4.0

Wer einen:

kauft, findet häufig eine Angabe wie:

„geeignet bis Schneelast 1,5 kN/m²“

Dann stellt sich die Frage:

„Welche Schneelast gilt bei mir?“

Die Antwort lässt sich in mehreren Schritten finden.

Schritt 1: Nicht mit einer alten Deutschlandkarte beginnen

Im Internet kursieren viele Schneelastkarten.

Ein Teil davon zeigt nur grobe Farbzonen.

Für Baden-Württemberg ist die sicherste Quelle die aktuelle Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen – VwV TB.

Sie ist rechtlich relevant, weil sie die technischen Regeln konkretisiert, die bei Planung und Standsicherheit von Gebäuden zu beachten sind.

Die aktuelle Fassung wurde am 10. Dezember 2025 erlassen und gilt seit dem 12. Januar 2026.

Übersichtsseite:

mlw.baden-wuerttemberg.de/…

Schritt 2: Im Anhang die Gemeindezuordnung suchen

Die VwV TB enthält einen eigenen Anhang:

„Zuordnung der Gemeinden und Gemeindeteile des Landes Baden-Württemberg zu den Schneelastzonen nach DIN EN 1991-1-3/NA:2019-04“

Dort sind Landkreise und Gemeinden aufgelistet.

Für den Hochrhein ist die Sache 2026 einfach:

Landkreis Lörrach

Schneelastzone 2: alle Gemeinden

Landkreis Waldshut

Schneelastzone 2: alle Gemeinden

Sie müssen also innerhalb dieser beiden Landkreise nicht zwischen Zone 1, 2a oder 3 unterscheiden.

Aber warum kann der Nachbarkreis eine andere Zone haben?

Baden-Württemberg ist nicht überall so einheitlich.

Beispiel Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald:

Dort liegen bestimmte Gemeinden in Zone 2, die übrigen in Zone 2a.

Auch in anderen Landkreisen gibt es unterschiedliche Zuordnungen.

Deshalb sollte man nicht aus:

„Schwarzwald = Zone X“

eine allgemeine Regel machen.

Die administrative Zuordnung muss tatsächlich nachgesehen werden.

Schritt 3: Die Höhenlage des konkreten Grundstücks bestimmen

Das ist am Hochrhein der entscheidende Schritt.

Denn innerhalb von Schneelastzone 2 steigt die anzusetzende Schneelast mit der Höhe.

Nicht verwenden:

  • Höhe des Rathauses,
  • Höhe der Gemeinde aus Wikipedia,
  • ungefährer Talwert.

Verwenden Sie möglichst die Höhe am Bauwerksstandort.

Wo findet man die Grundstückshöhe?

Geoportal Baden-Württemberg

geoportal-bw.de

Das Geoportal des Landes kann Höheninformationen für einen konkreten Kartenpunkt anzeigen.

Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung stellt dafür sogar eine eigene Kurzanleitung bereit.

FAQ:

geoportal-bw.de/…

Dort finden Sie den Punkt:

„Wie kann ich mir Höhenangaben im Geoportal-BW anzeigen lassen?“

Die Höheninformationen basieren auf den amtlichen digitalen Geländemodellen des Landes.

Hanggrundstück: Welche Höhe nimmt man?

Bei einem stark geneigten Grundstück kann das Gebäude selbst mehrere Meter Höhenunterschied überdecken.

Dann sollte nicht der Käufer anhand eines Kartenpunkts die endgültige Schneelast festlegen.

Der Tragwerksplaner übernimmt den maßgeblichen Höhenwert aus der Projektplanung beziehungsweise den amtlichen Höhenangaben.

Für eine erste Grundstücksprüfung reicht ein plausibler Höhenwert aus dem Geoportal.

Für die Statik zählt die exakte Planung.

Schritt 4: Aus Zone und Höhe den Boden-Schneelastwert bestimmen

DIN EN 1991-1-3 mit dem deutschen Nationalen Anhang legt für die einzelnen Zonen höhenabhängige Werte fest.

Für Zone 2 gibt es:

  • einen Mindestwert in tieferen Lagen,
  • darüber einen mit der Höhenlage ansteigenden Rechenwert.

Der Statiker ermittelt daraus den charakteristischen Wert s_k.

Dieser beschreibt die Schneelast auf dem Boden.

Wichtig:

Zone 2 ist nicht automatisch 0,85 kN/m².

0,85 kN/m² ist nur der Sockelwert der Zone 2 bis zur entsprechenden unteren Höhenlage.

Im Hochschwarzwald können die Werte deutlich höher liegen.

Schneelast und Höhe am Hochrhein (Zone 2)
Charakteristische Schneelast auf dem Boden, Schneelastzone 2Die Schneelast bleibt bis etwa 290 m bei 0,85 kN/m² und steigt dann mit der Höhe stark an: 310 m ergeben rund 0,92, 770 m rund 2,99 kN/m².0123452003004005006007008009001000kN/m²Höhe über NHN, mLörrachWaldshut-TiengenJestettenTodtnauSt. BlasienTodtmoosHerrischriedDachsberg

Auf 600 m: sk2,06 kN/m² (≈ 210 kg/m² auf dem Boden), auf einem flach geneigten Dach mit μ = 0,8 ≈ 1,65 kN/m².

Beide Landkreise liegen vollständig in Schneelastzone 2. Punkte: Ortsmitte nach Wikidata; die Höhe Ihres Grundstücks kann um hundert Meter und mehr abweichen. Eine vereinfachte Rechnung, sie ersetzt keine Statik.

Ein einfaches Beispiel

Bauplatz A: 310 m

Zone 2.

Charakteristische Boden-Schneelast grob:

0,92 kN/m²

Bauplatz B: 770 m

Zone 2.

Charakteristische Boden-Schneelast grob:

2,99 kN/m²

Die Zone ist identisch.

Die Höhenlage macht den großen Unterschied.

Schritt 5: Vom Boden auf das Dach

Jetzt kommt die Dachgeometrie.

Der Bodenwert wird nicht einfach 1:1 als Last auf jede Dachfläche übernommen.

Berücksichtigt werden unter anderem:

  • Dachneigung,
  • Dachform,
  • lokale Verwehungen,
  • Exposition,
  • thermische Einflüsse.

Dachversprünge und unterschiedlich hohe Gebäudeteile können Schneeanhäufungen erzeugen.

Für PV-Dächer können zusätzliche lokale Schneelastfälle relevant werden.

Schritt 6: Nicht nur das Hauptdach prüfen

Die gleiche Standortlast ist auch wichtig für:

  • Carport,
  • Vordach,
  • Terrassendach,
  • Gewächshaus,
  • Gerätehaus,
  • Pergola mit festem Dach.

Gerade bei günstigen Fertigprodukten findet man häufig eine maximale Schneelast in den technischen Daten.

Diese muss zum Standort passen.

Beispiel Carport

Der Händler gibt an:

maximale Schneelast 1,0 kN/m²

Sie wohnen im Hochschwarzwald.

Dann darf man nicht sagen:

„Landkreis Waldshut ist Zone 2, also passt das.“

Erst die konkrete Höhenlage und die dafür erforderliche Bemessung zeigen, ob das Produkt geeignet ist.

Schritt 7: Bei einem Altbau die alte Statik suchen

Für ein bestehendes Dach ist nicht nur die heutige Norm entscheidend.

Man muss wissen:

  • wann es gebaut wurde,
  • nach welchen Lastannahmen,
  • ob es später verändert wurde.

Die ursprüngliche Statik ist deshalb sehr wertvoll.

Wenn keine Unterlagen mehr vorhanden sind:

  • Bauamt nach Bauakte fragen,
  • früheren Planer suchen,
  • Tragwerksplaner Bestand aufnehmen lassen.

Sonderfall: Grenzlinie zweier Schneelastzonen

Die baden-württembergische VwV TB enthält eine spezielle Regel:

Liegt ein Bauwerksstandort direkt an der Grenzlinie zweier Schneelastzonen auf der Seite der höheren Zone, kann unter bestimmten Voraussetzungen die niedrigere Zone angesetzt werden, wenn der Standort dieselben topografischen Verhältnisse wie der benachbarte niedrigere Bereich hat.

Das ist eine Fachentscheidung und keine Einladung, die günstigere Farbe einer Karte selbst auszuwählen.

Für Landkreis Lörrach und Waldshut ist dieser Sonderfall derzeit meist nicht relevant, weil dort alle Gemeinden Zone 2 zugeordnet sind.

Die einfache Anleitung in fünf Zeilen

1. Gemeinde bestimmen.
2. Aktuelle VwV TB öffnen und Schneelastzone nachsehen.
3. Höhe des Bauplatzes im Geoportal BW bestimmen.
4. Statiker daraus den normativen Boden-Schneelastwert ermitteln lassen.
5. Dachform und lokale Schneeanhäufungen berücksichtigen.

Damit haben Sie eine belastbare Standortgrundlage.

Quellen

  1. Ministerium Baden-Württemberg: Technische Baubestimmungenmlw.baden-wuerttemberg.de
  2. Aktuelle VwV TB 2026 – Schneelastzonen ab Seite 15 ff.mlw.baden-wuerttemberg.de
  3. Geoportal Baden-Württemberggeoportal-bw.de
  4. Geoportal BW: FAQ und Anleitung für Höhenangabengeoportal-bw.de
  5. Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung: Digitale Geländemodellelgl-bw.de
  6. DIN EN 1991-1-3/NA:2019-04resources-eu-prd.wk-onega.com