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Altes Haus und Photovoltaik: Hält das Dach Schnee plus Solaranlage aus?

Artikel 665 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Schnee und Höhenlage
Schnee und Höhenlage · Foto Willy Pragher, CC BY 4.0

Photovoltaik ist auf einem alten Haus oft problemlos möglich.

Aber die richtige Frage lautet nicht:

„Wie schwer sind die Solarmodule?“

Sondern:

„Welche Reserven hat das vorhandene Dach, und welche zusätzlichen Lasten entstehen aus der gesamten PV-Konstruktion zusammen mit Schnee und Wind?“

Gerade im Hochschwarzwald gehört die Schneelast zwingend zu dieser Prüfung.

Ein Solarmodul ist zusätzliche dauerhafte Last

Eine PV-Anlage bringt zusätzliches Gewicht auf das Dach.

Dazu gehören:

  • Module,
  • Montageschienen,
  • Dachhaken beziehungsweise Befestigung,
  • Kabel und technische Bauteile,
  • bei Flachdächern gegebenenfalls Ballast.

Der PV-Leitfaden der KEA-BW nennt für moderne Module Größenordnungen von ungefähr 7 bis 20 kg pro Quadratmeter Modulfläche.

Für komplette Anlagen auf Schrägdächern werden dort typische zusätzliche Lasten von ungefähr 16 bis 24 kg/m² genannt.

Bei Flachdächern können durch Unterkonstruktion und besonders durch Ballast deutlich höhere Zusatzlasten entstehen.

Diese Werte sind Orientierungen.

Für Ihr Dach zählen die technischen Daten des konkreten Systems.

Schnee kommt zusätzlich dazu

Ein Dach trägt im Winter nicht entweder:

  • PV
  • oder Schnee.

Es trägt beides gleichzeitig in den normativ vorgesehenen Lastkombinationen.

Dazu kommen:

  • Eigengewicht des Daches,
  • Wind,
  • Wartungslasten,
  • gegebenenfalls weitere Bauteile.

Deshalb ist die Aussage:

„Die Module wiegen doch nur 20 kg/m²“

für die Statik unvollständig.

Im Hochschwarzwald kann Schnee wesentlich schwerer sein als die PV-Anlage

Ein einfaches Beispiel:

Eine PV-Anlage bringt etwa 20 kg/m² zusätzliche Dauerlast.

Ein Standort bei St. Blasien kann aufgrund der Höhenlage allein schon einen charakteristischen Boden-Schneelastwert von ungefähr 3 kN/m² haben.

Das entspricht einer Gewichtsvorstellung von rund 300 kg/m² auf dem Boden.

Damit wird klar:

Die PV-Anlage ist zwar eine zusätzliche Last.

Die regionale Schneelast ist aber ein mindestens ebenso wichtiger Teil der Tragwerksprüfung.

Warum die ursprüngliche Dachstatik wichtig ist

Ein Dach wurde ursprünglich für bestimmte Lasten bemessen.

Dort können enthalten sein:

  • Eigengewicht,
  • damalige Schneelast,
  • Wind,
  • Nutz- und Wartungslasten.

Wenn die ursprüngliche Statik vorhanden ist, kann ein Tragwerksplaner wesentlich leichter prüfen:

  • welche Sparren verwendet wurden,
  • welche Spannweiten vorliegen,
  • welche Lasten angesetzt wurden,
  • welche Reserven vorhanden sind.

Ein Dach von 1970 ist nicht automatisch zu schwach

Alter allein sagt wenig.

Ein altes Dach kann:

  • sehr robust dimensioniert,
  • in ausgezeichnetem Zustand

sein.

Ein jüngeres Dach kann dagegen durch:

  • Feuchtigkeit,
  • Umbauten,
  • falsch entfernte Bauteile

geschwächt sein.

Entscheidend sind Konstruktion und Zustand.

Was muss bei einem alten Dach angesehen werden?

Sparren und Pfetten

Gibt es:

  • sichtbare Durchbiegungen,
  • Risse,
  • beschädigte Verbindungen?

Holzfeuchte und Schäden

Besonders kritisch:

  • längere Feuchteeinwirkung,
  • Fäulnis,
  • Pilz,
  • Insektenbefall.

Frühere Umbauten

Wurde:

  • ein Sparren für ein Dachfenster durchtrennt,
  • eine tragende Wand entfernt,
  • ein Dachboden ausgebaut,
  • ein schwereres Dachmaterial eingebaut?

Solche Veränderungen können wichtiger sein als das Baujahr.

PV verändert nicht nur das Gewicht

Solarmodule beeinflussen auch:

  • Windangriff,
  • Schneeverteilung.

Auf einem Schrägdach kann sich Schnee an Modulrändern oder Schneefangeinrichtungen anders verhalten.

Bei Flachdächern können aufgeständerte Modulreihen lokale:

  • Verwehungen,
  • Schneeanhäufungen

erzeugen.

Der Nationale Anhang zur Schneelastnorm enthält deshalb zusätzliche Regeln für aufgeständerte Solarthermie- und Photovoltaikanlagen.

Dachhaken belasten lokal

Die PV-Last wird nicht als magische gleichmäßige Fläche in das Dach eingeleitet.

Bei einem Schrägdach übertragen Dachhaken beziehungsweise Befestigungspunkte Kräfte in:

  • Sparren,
  • Unterkonstruktion.

Dabei wirken nicht nur nach unten gerichtete Lasten.

Wind kann an Modulen auch:

  • Sog,
  • Zugkräfte

erzeugen.

Die Befestigung muss deshalb zum konkreten Dach passen.

Flachdach: Ballast kann entscheidender sein als das Modul

Auf Flachdächern werden PV-Anlagen häufig so montiert, dass die Dachabdichtung nicht durchdrungen wird.

Damit das System bei Wind nicht verrutscht oder abhebt, wird es beschwert.

Der KEA-BW-Leitfaden weist darauf hin, dass solche Ballastierungen lokal erheblich sein können.

Dann lautet die Frage nicht nur:

„Wie viel wiegt die PV pro Quadratmeter?“

Sondern:

„Wo genau werden welche Einzellasten in die Dachkonstruktion eingeleitet?“

Welche Unterlagen braucht der Statiker?

Die KEA-BW empfiehlt insbesondere:

  • Gebäudeschnitt,
  • Grundrisse,
  • Dachplan,
  • vorhandene Statik,
  • Angaben zur Dacheindeckung,
  • Unterlagen zu früheren Sanierungen,
  • Herstellerdaten der PV-Unterkonstruktion,
  • geplante Modulbelegung.

Zusätzlich sollte der konkrete Standort mit:

  • Schneelast,
  • Windlast

feststehen.

Keine Statik mehr vorhanden – was dann?

Das kommt bei Altbauten häufig vor.

Mögliche Schritte:

  1. Bauakte bei der zuständigen Baurechtsbehörde prüfen.
  2. Frühere Planer beziehungsweise Baufirma kontaktieren.
  3. Dachkonstruktion vor Ort aufnehmen.
  4. Tragwerksplaner Nachrechnung durchführen lassen.

Die fehlende alte Statik bedeutet nicht, dass keine PV möglich ist.

Die Prüfung wird nur aufwendiger.

Sollte man das Dach vor PV ohnehin sanieren?

Eine PV-Anlage bleibt typischerweise viele Jahre auf dem Dach.

Wenn die Dacheindeckung voraussichtlich in wenigen Jahren erneuert werden muss, wäre es unpraktisch:

  1. PV montieren,
  2. kurze Zeit später alles wieder abbauen,
  3. Dach sanieren,
  4. PV neu montieren.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, den Zustand der Dachfläche vor Installation zu prüfen.

Bei alten:

  • Dachziegeln,
  • Abdichtungen,
  • problematischen Faserzementplatten

kann eine vorherige Sanierung sinnvoll sein.

Die fünf Fragen vor der PV-Montage

  1. Ist die Dachkonstruktion dokumentiert?
  2. Ist das Holz beziehungsweise Tragwerk gesund?
  3. Welche Schneelast gilt am Standort?
  4. Welche zusätzlichen Lasten erzeugt das konkrete PV-System?
  5. Wurde die Gebäudestatik schriftlich für dieses System geprüft?

Wenn der Solarteur nur sagt:

„Das machen wir immer so“

ist das keine statische Prüfung.

Fazit

Bei einem alten Haus im Schwarzwald ist Photovoltaik meistens kein Problem, wenn Dachzustand und Tragfähigkeit geprüft werden.

Das Thema lautet nicht:

„PV ist zu schwer.“

Sondern:

„Das bestehende Tragwerk muss die zusätzliche dauerhafte Last sowie Schnee-, Wind- und lokalen Systemlasten sicher aufnehmen können.“

Quellen

  1. KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg: PV-Leitfaden – Statik und Zusatzlastenkea-bw.de
  2. KEA-BW: Praxisleitfaden Photovoltaik-Pflicht – Statik bei Flachdächernkea-bw.de
  3. Verbraucherzentrale: Photovoltaik planen – Zustand des Daches prüfenverbraucherzentrale.de
  4. Ministerium Baden-Württemberg: Hinweise zu bestehenden baulichen Anlagen und Standsicherheitmlw.baden-wuerttemberg.de
  5. Ministerium Baden-Württemberg: Technische Baubestimmungen 2026mlw.baden-wuerttemberg.de