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Tüllinger Berg: Warum Bauen hier besondere Aufmerksamkeit für den Baugrund braucht

Artikel 423 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Bauen am Hang
Bauen am Hang · Foto PantaRhei, CC BY-SA 4.0

Der Tüllinger Berg gehört zu den markanten Landschaftsräumen bei Lörrach.

Für Bauherren ist er aus einem anderen Grund interessant:

Das LGRB beschreibt dort seit Jahrhunderten bekannte Hangrutschungen.

Das bedeutet nicht, dass jedes Haus am Tüllinger Berg gefährdet ist.

Es bedeutet:

Bei einem konkreten Bauplatz sollte die geologische Situation nicht als gewöhnlicher Standardbaugrund behandelt werden, ohne sie vorher geprüft zu haben.

Warum kann der Tüllinger Berg rutschungsanfällig sein?

Nach Angaben des LGRB bestehen die Hänge aus den sogenannten Tüllingen-Schichten.

Vereinfacht wechseln dort:

  • tonig-mergelige Gesteine
  • und vergleichsweise wasserdurchlässige Süßwasserkalksteinbänke

miteinander.

Das ist geotechnisch interessant.

Wasser kann durch die besser durchlässigen Kalklagen gelangen und tonig-mergelige Bereiche durchfeuchten.

Diese können dadurch ungünstigere Festigkeitseigenschaften entwickeln.

Das LGRB formuliert ausdrücklich, dass die Durchfeuchtung der Tonmergelgesteine ihre Neigung zum Abrutschen begünstigt.

Sind die Rutschungen neu?

Nein.

Das LGRB schreibt, dass Rutschungen dieser Art am Tüllinger Berg bereits seit mehreren hundert Jahren dokumentiert werden.

Das ist wichtig für die Einordnung.

Es geht nicht um eine kurzfristige moderne Baustellenerscheinung, sondern um eine bekannte geologische Hangdynamik.

Bedeutet das, dass der ganze Berg rutscht?

Nein.

Eine solche Aussage wäre fachlich falsch.

Ein großer Landschaftsraum besteht aus unterschiedlichen:

  • Hangbereichen,
  • Schichten,
  • Geländeformen,
  • alten Rutschmassen,
  • stabileren Bereichen,
  • bebauten und technisch gesicherten Zonen.

Deshalb muss immer die konkrete Parzelle untersucht werden.

Die Existenz bekannter Rutschungen ist ein Grund für eine sorgfältige Untersuchung, nicht automatisch ein Bauverbot.

Warum Wasser besonders wichtig ist

Das geologische Prinzip am Tüllinger Berg zeigt sehr gut, warum Wasser am Hang nicht nur ein Abdichtungsthema ist.

Wenn wasserwegsame und weniger durchlässige beziehungsweise empfindliche Schichten wechseln, können sich Wasserwege im Hang ausbilden.

Bei einer Planung sollte deshalb geklärt werden:

  • Welche Schichten liegen genau am Grundstück?
  • Wie fallen sie ein?
  • Gibt es alte Rutschmassen?
  • Wo wurde Wasser beobachtet?
  • Verändert eine Baugrube bestehende Wasserwege?
  • Wie wirkt eine geplante Entwässerung?

Sichtbare Hinweise bei einer Besichtigung

Achten Sie beispielsweise auf:

  • ältere gekippte Stützmauern,
  • versetzte Wege,
  • Risse,
  • Geländestufen,
  • auffällige Reparaturen,
  • Quellaustritte,
  • dauerhaft nasse Stellen.

Auch hier gilt:

Ein schiefer Zaun beweist keine aktive Rutschung.

Aber mehrere übereinstimmende Hinweise sollten nicht ignoriert werden.

Was kann der LGRB-Kartenviewer beitragen?

Prüfen Sie mindestens:

Ingenieurgeologische Gefahrenhinweiskarte

maps.lgrb-bw.de/…

Geologische Grundkarte

geoportal.lgrb-bw.de/produkt/dgk50

Hydrogeologische Karte

geoportal.lgrb-bw.de/produkt/dhk50

Die Karten helfen, den regionalen Kontext zu verstehen.

Sie ersetzen keine Untersuchung des Bauplatzes.

Warum Baugruben selbst relevant sein können

Ein Hang befindet sich in einem bestehenden Gleichgewicht.

Wenn gebaut wird, verändert man dieses System durch:

  • Abgrabung,
  • zusätzliche Gebäudelast,
  • Stützmauern,
  • neue Entwässerung,
  • befestigte Flächen.

Dass Hanganschnitte bestehende Rutschungen beeinflussen können, ist in der Region nicht nur Theorie.

Das LGRB beschreibt beispielsweise eine Rutschung unterhalb der Burgruine Rötteln nordöstlich von Lörrach, die beim Bau der A98 durch einen Hanganschnitt reaktiviert wurde und mit umfangreichen technischen Maßnahmen stabilisiert werden musste.

Das ist nicht dieselbe Rutschung wie am Tüllinger Berg, zeigt aber sehr anschaulich, warum Eingriffe in rutschungsanfällige Hänge geotechnisch geplant werden müssen.

Was sollte vor einem Grundstückskauf am Tüllinger Berg passieren?

Bei einem konkreten Hanggrundstück sollte man mindestens:

  1. IGHK50 prüfen.
  2. Geologische Karte prüfen.
  3. frühere Geländeveränderungen erfragen.
  4. Schäden an bestehenden Bauwerken und Mauern ansehen.
  5. Wasseranzeichen dokumentieren.
  6. Baugrundgutachter gezielt auf die regionale Rutschungsproblematik hinweisen.
  7. das Haus erst danach endgültig in den Hang setzen.

Welche Frage sollte man dem Baugrundgutachter stellen?

Nicht nur:

„Ist der Boden tragfähig?“

Sondern:

„Gibt es an diesem Standort Hinweise auf alte oder potenziell reaktivierbare Hangbewegungen, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Baugrube, Gründung, Stützung und Wasserführung?“

Das ist die entscheidende Hangfrage.

Quellen

  1. LGRB: Hangrutschungen in den tertiären Gesteinen der Vorbergzone des südlichen Oberrheingrabenslgrbwissen.lgrb-bw.de
  2. LGRB: Böden im Markgräfler Hügelland und Tüllinger Berglgrbwissen.lgrb-bw.de
  3. LGRB: Ingenieurgeologische Gefahrenhinweiskartegeoportal.lgrb-bw.de
  4. LGRB: Baugrundlgrb-bw.de