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Flachdach im Hochschwarzwald: Was wegen Schnee besonders wichtig ist

Artikel 674 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Schnee und Höhenlage
Schnee und Höhenlage · Foto Willy Pragher, CC BY 4.0

Ein Flachdach funktioniert auch im Hochschwarzwald.

Es ist nicht grundsätzlich eine schlechte Dachform für schneereiche Regionen.

Aber Schnee verhält sich auf einem Flachdach anders als auf einem steilen Dach.

Er kann lange liegen bleiben und sich lokal stark anhäufen.

Deshalb müssen Tragwerk, Dachaufbau und Entwässerung zusammen geplant werden.

Schnee bleibt eher liegen

Auf einem steilen Dach kann Schnee teilweise abrutschen.

Auf einem Flachdach beziehungsweise sehr flach geneigten Dach bleibt ein großer Teil zunächst liegen.

Für die Tragwerksplanung ist das kein Überraschungsfall.

Die Schneelastnorm enthält eigene Formbeiwerte für flache Dächer.

Ein Flachdach in St. Blasien wird also nicht so gerechnet, als läge es in Mannheim.

Die regionale Schneelast des Standorts fließt in die Bemessung ein.

Das größere Problem kann ungleichmäßiger Schnee sein

Schnee liegt nicht zwingend gleichmäßig.

Wind transportiert ihn über die Dachfläche.

Besonders hinter Hindernissen kann er sich ablagern.

Typische Stellen sind:

  • Attika,
  • höherer Gebäudeteil,
  • Technikaufbau,
  • Lichtkuppel,
  • Lüftungsaufbau,
  • PV-Anlage.

Damit kann an einer Stelle deutlich mehr Last entstehen als auf der freien Dachfläche.

Dachversprung: klassische Verwehungsstelle

Beispiel:

Ein eingeschossiger Anbau besitzt ein Flachdach.

Direkt daneben steht der zweigeschossige Hauptbau.

Wind trägt Schnee über das höhere Dach beziehungsweise entlang der Fassade.

Am niedrigeren Dach kann sich Schnee im Bereich des Höhensprungs sammeln.

Der Statiker darf deshalb nicht einfach eine gleichmäßige Schneeschicht über das gesamte Dach ansetzen und den lokalen Bereich ignorieren.

Die Schneelastnorm enthält genau für solche Fälle Verwehungsmodelle.

Attika

Eine Attika ist die erhöhte Wand beziehungsweise der Randabschluss eines Flachdachs.

Sie ist architektonisch und für die Dachabdichtung üblich.

Für Schnee wirkt sie aber als Hindernis.

Dahinter können sich Verwehungen bilden.

Je nach:

  • Attikahöhe,
  • Dachgröße,
  • Wind,
  • Schneelast

muss das konstruktiv berücksichtigt werden.

PV-Anlage auf dem Flachdach

Photovoltaik bringt drei zusätzliche Themen.

1. Eigengewicht

Module und Unterkonstruktion belasten das Dach.

2. Ballast

Nicht durchdringend befestigte Systeme können zusätzliche Beschwerung benötigen.

3. Schneeumlagerung

Aufgeständerte Module verändern die Windströmung und können Schnee lokal ansammeln.

Der Nationale Anhang zur Schneelastnorm enthält deshalb besondere Hinweise für aufgeständerte Solarthermie- und PV-Anlagen.

Eine PV-Anlage sollte auf einem Flachdach im Hochschwarzwald nicht nur elektrisch, sondern auch statisch als Dachsystem geplant werden.

Schneelast und Dachentwässerung sind zwei unterschiedliche Aufgaben

Schnee ist zunächst statische Last.

Beim Tauen wird daraus Wasser.

Dann muss die Dachentwässerung funktionieren.

Ein Flachdach braucht:

  • reguläre Entwässerung,
  • bei der entsprechenden Konstruktion eine sichere Notentwässerung.

Die Verbraucherzentrale weist bei Flachdächern auf die Bedeutung eines zusätzlichen Notüberlaufs hin, falls die Regelentwässerung bei außergewöhnlichem Wasseranfall überlastet ist.

Was kann im Winter den Ablauf blockieren?

Zum Beispiel:

  • Schnee,
  • Eis,
  • Laub,
  • Schmutz.

Deshalb gehört die Dachentwässerung zu den Bauteilen, die regelmäßig kontrolliert werden sollten.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt ausdrücklich zu prüfen, ob bei Flachdächern:

  • Abdichtung,
  • Abläufe

frei und funktionsfähig sind.

Schmelzwasser und Frost

Ein typischer Wintertag im Schwarzwald:

Tagsüber:

  • Sonne,
  • Tauwetter.

Nachts:

  • Frost.

Dann kann Wasser an:

  • Abläufen,
  • Rinnen,
  • Dachrändern

wieder gefrieren.

Dadurch können:

  • Abläufe eingeschränkt,
  • Eisschichten,
  • zusätzliche lokale Belastungen

entstehen.

Dachentwässerung und Detailplanung sollten deshalb zur lokalen Winterbeanspruchung passen.

Begrüntes Flachdach

Eine Dachbegrünung bringt weitere dauerhafte Lasten.

Relevant sind:

  • Substrat,
  • gespeichertes Wasser,
  • Vegetation,
  • Schnee.

Bei einer neuen Planung wird das statisch berücksichtigt.

Bei einem alten Flachdach sollte man nicht gleichzeitig:

  • Begrünung,
  • PV,
  • neue Technik

ergänzen, ohne die Gesamtheit der Lasten zu prüfen.

Kann man Schnee einfach abschaufeln?

Nur mit Vorsicht.

Das Ministerium weist darauf hin, dass ein Dach spätestens dann geräumt werden sollte, wenn seine zulässige Schneelast erreicht wird.

Für einen privaten Eigentümer ist die praktische Umsetzung aber keine Heimwerkeraufgabe auf einem vereisten Flachdach.

Probleme:

  • Absturzgefahr,
  • beschädigte Abdichtung,
  • ungleichmäßige Räumung,
  • lokale Lastumlagerung.

Bei einer wirklich kritischen Schneesituation sollte zunächst die zulässige Last aus der Statik festgestellt und ein sicheres Räumkonzept fachlich organisiert werden.

Woran erkennt man eine mögliche Überlastung?

Warnzeichen können sein:

  • ungewöhnliche Durchbiegung,
  • neue starke Risse,
  • klemmende Türen unter dem Dachtragwerk,
  • sichtbare Verformungen,
  • ungewöhnliche Geräusche.

Das sind keine „Messinstrumente“.

Wenn solche Veränderungen während hoher Schneelast auftreten, sollte der Bereich nicht weiter belastet und fachliche Hilfe organisiert werden.

Vor dem Bau eines Flachdachs im Hochschwarzwald

Fragen Sie den Tragwerksplaner:

  1. Welche Schneelast wurde für die exakte Höhenlage angesetzt?
  2. Welche Verwehungen wurden berücksichtigt?
  3. Wie wirken Attika und Dachaufbauten?
  4. Ist eine spätere PV-Anlage bereits mitgedacht?
  5. Welche Reserven bestehen für Begrünung oder Technik?
  6. Wie erfolgt Regel- und Notentwässerung?
  7. Gibt es ein Konzept für außergewöhnlich hohe reale Schneelasten?

Das ist wesentlich hilfreicher als die pauschale Frage:

„Ist ein Flachdach im Schwarzwald erlaubt?“

Ja – wenn es für den Standort richtig geplant wird.

Quellen

  1. Ministerium Baden-Württemberg: Technische Baubestimmungen – Schneelasten nach DIN EN 1991-1-3mlw.baden-wuerttemberg.de
  2. Ministerium Baden-Württemberg: Überprüfung der Standsicherheit bei Schneebelastungmlw.baden-wuerttemberg.de
  3. KEA-BW: Photovoltaik auf Flachdächern und statische Zusatzlastenkea-bw.de
  4. KEA-BW: Leitfaden PV – Gebäudestatik, Ballast und Schneelastenkea-bw.de
  5. DIN: Hinweise zu DIN 1986-100, Dach- und Notentwässerungdin.de
  6. Verbraucherzentrale: Gebäudekontrolle – Flachdachabläufe frei haltenverbraucherzentrale.de