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Erdbebenkarte Baden-Württemberg: So finden Sie die Anforderungen für Ihren Standort

Artikel 485 Min. LesezeitStand 24. September 2026

Erdbeben
Erdbeben · Foto kuhnmi, CC BY 2.0

Wer „Erdbebenkarte Baden-Württemberg“ googelt, findet mehrere Karten:

  • wissenschaftliche Gefährdungskarten,
  • aktuelle Erdbebenkarten,
  • historische Epizentren,
  • europäische Karten,
  • DIN-Karten.

Für den Bau eines Hauses brauchen Sie zunächst etwas sehr Konkretes:

Welche Erdbebenzone und welche geologische Untergrundklasse sind für mein Bauvorhaben bauaufsichtlich angesetzt?

Dafür gibt es in Baden-Württemberg einen offiziellen Weg.

Schritt 1: Öffnen Sie die Seite des Bauministeriums

Die zentrale Seite lautet:

mlw.baden-wuerttemberg.de/…

Dort verlinkt das Ministerium die amtliche:

„Karte der Erdbebenzonen und geologischen Untergrundklassen für Baden-Württemberg 1:350.000“

Direktlink:

mlw.baden-wuerttemberg.de/…

Schritt 2: Lassen Sie sich vom Jahr 2005 nicht irritieren

Auf der Karte steht „1. Auflage 2005“.

Man könnte deshalb vermuten:

„Die ist doch längst veraltet.“

Für die bauaufsichtliche Anwendung ist das 2026 so nicht richtig.

Die aktuelle VwV Technische Baubestimmungen vom 10. Dezember 2025, die seit 12. Januar 2026 gilt, verweist in ihrer Anlage A 1.2.9/1 ausdrücklich weiterhin auf genau diese Karte.

Sie ist damit weiterhin die offiziell eingeführte Grundlage für die Zuordnung der Erdbebenzonen und geologischen Untergrundklassen.

Das ist etwas anderes als die Frage, welche neueren wissenschaftlichen Gefährdungsmodelle heute existieren.

Schritt 3: Finden Sie Ihre Gemeinde beziehungsweise Gemarkung

Die Baden-Württemberg-Karte ordnet die Erdbebenzonen nicht parzellenscharf Haus für Haus zu.

Sie arbeitet mit Verwaltungsgebieten.

Das Ministerium weist auf eine Besonderheit hin:

Die räumliche Zuordnung wurde mit dem damaligen Stand der Verwaltungsgrenzen fixiert.

Wenn sich seitdem:

  • Gemarkungsnamen,
  • Gemeindegrenzen,
  • Gemeindezugehörigkeiten

geändert haben, kann eine Rückübertragung auf den damaligen Verwaltungsstand notwendig sein.

Für einen normalen Bauplatz in Lörrach ist das meist keine praktische Schwierigkeit.

Bei Grenzlagen oder geänderten Gemarkungen sollte man die Zuordnung aber nicht aus einem unscharfen Kartenausschnitt schätzen.

Dann ist die sichere Variante:

  • Tragwerksplaner,
  • Baurechtsbehörde,
  • gegebenenfalls zuständige Fachstelle

fragen.

Schritt 4: Lesen Sie zuerst die Erdbebenzone

Die Karte unterscheidet:

  • Gebiet außerhalb der Erdbebenzonen,
  • Zone 0,
  • Zone 1,
  • Zone 2,
  • Zone 3.

Für die Erdbebenbemessung nach DIN 4149 sind die Zonen 1 bis 3 die eigentlichen bemessungsrelevanten Erdbebenzonen.

Je höher die Zone, desto höher die normativ angesetzte seismische Gefährdung.

Lörrach

Lörrach liegt nach der amtlichen Karte in Erdbebenzone 3.

Damit liegt die Stadt in der höchsten bemessungsrelevanten Zone dieses Systems.

Wichtig für Suchanfragen wie „Erdbebenzone Landkreis Lörrach“:

Der gesamte Landkreis hat nicht dieselbe Einstufung.

Der Landkreis selbst schreibt in seinem Katastrophenschutzkonzept von 2025, dass ungefähr ein Viertel der Kreisfläche in Zone 3 und der übrige Teil in Zone 2 liegt.

Deshalb sollte immer die konkrete Gemeinde geprüft werden.

Schritt 5: Lesen Sie zusätzlich die geologische Untergrundklasse

Auf derselben amtlichen Karte stehen große Buchstaben:

  • R
  • T
  • S

Sie beschreiben die geologischen Untergrundverhältnisse in größerer Tiefe.

Vereinfacht:

R

Gebiete mit felsartigem Untergrund.

T

Übergangsbereiche und flachere Sedimentbecken.

S

Gebiete tiefer Beckenstrukturen mit mächtiger Sedimentfüllung.

Warum ist das wichtig?

Weil derselbe Erdbebenimpuls je nach Untergrund unterschiedlich auf ein Gebäude wirken kann.

Schritt 6: Untergrundklasse ist nicht dasselbe wie Ihr Bodengutachten

Das ist einer der wichtigsten Punkte.

Die große amtliche Karte zeigt den regionalen geologischen Untergrund.

Sie ersetzt nicht die Untersuchung der oberen Bodenschichten direkt unter Ihrem Haus.

Das Ministerium weist darauf hin, dass die örtlichen oberflächennahen Bodenverhältnisse – grob die oberen Schichten bis etwa 20 m – die Erdbebenbeanspruchung zusätzlich beeinflussen können.

DIN 4149 unterscheidet deshalb neben der geologischen Untergrundklasse auch örtliche Baugrundklassen.

Diese werden nicht einfach aus der großen Landeskarte abgelesen.

Dafür braucht man Informationen über den konkreten Baugrund.

Ein geotechnisches Gutachten für einen bestimmten Standort in Lörrach kann beispielsweise zu einer Kombination wie:

B-R

kommen.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie diese Kombination pauschal für jedes Grundstück in Lörrach übernehmen dürfen.

Schritt 7: Die Karte ist erst der Anfang der Berechnung

Aus:

„Zone 3“

allein kann der Bauherr noch keine Fundamentgröße ableiten.

Der Tragwerksplaner benötigt zusätzlich:

  • Untergrundklasse,
  • lokalen Baugrund,
  • Gebäudemasse,
  • Gebäudehöhe,
  • Tragwerksart,
  • Steifigkeit,
  • Regelmäßigkeit,
  • Bedeutungskategorie.

Erst daraus entsteht die relevante Bemessung.

Schritt 8: Nicht die aktuelle Erdbebenkarte mit der Baukarte verwechseln

Der Landeserdbebendienst veröffentlicht laufend gemessene Erdbeben.

Diese Informationen sind sehr nützlich, um zu sehen:

  • wo Beben stattgefunden haben,
  • welche Magnitude gemessen wurde,
  • wie Ereignisse wahrgenommen wurden.

Sie beantworten aber nicht direkt die Frage:

„Welche bauaufsichtliche Erdbebenzone gilt für meinen Neubau?“

Dafür ist die technische Bauvorschrift maßgeblich.

Dass in der Nähe Ihres Grundstücks in den letzten zehn Jahren kein stärkeres Beben gemessen wurde, ändert die normativ festgelegte Zone nicht.

Schritt 9: Auch moderne wissenschaftliche Karten nicht ungeprüft als Baurecht verwenden

Seismologische Gefährdungsmodelle entwickeln sich weiter.

Es können deshalb neuere Karten existieren, die anders aussehen als die amtliche DIN-4149-Zonenkarte.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die alte bauaufsichtliche Karte „falsch“ ist.

Die beiden Karten können unterschiedliche Aufgaben haben.

Für die Genehmigungs- und Tragwerksplanung muss der Ingenieur die aktuell in Baden-Württemberg eingeführten Technischen Baubestimmungen anwenden.

Stand September 2026 verweisen diese weiterhin auf DIN 4149:2005-04 und die amtliche Baden-Württemberg-Karte 2005.

Ein praktischer Schnellcheck für einen Bauplatz in Lörrach

Wenn Sie ein Grundstück kaufen oder ein Haus planen, gehen Sie so vor:

1. Adresse und Flurstück festhalten

Nicht nur Straßenname, sondern möglichst auch Gemarkung und Flurstück.

2. Amtliche Karte öffnen

Erdbebenzone ablesen.

3. Geologische Untergrundklasse ablesen

R, T oder S.

4. Baugrundgutachten beauftragen

Besonders wichtig bei:

  • Hang,
  • Auffüllung,
  • weichen Sedimenten,
  • heterogenem Boden.

5. Informationen an Tragwerksplaner geben

Der Statiker ordnet die Werte normgerecht ein.

6. Nicht selbst aus der Karte „die Erdbebenlast“ berechnen

Dafür fehlen noch Gebäude- und Bodenparameter.

Was sollte man bei einem Grundstückskauf fragen?

Eine einfache professionelle Frage lautet:

„Welche Erdbebenzone, geologische Untergrundklasse und örtliche Baugrundklasse sind für dieses Grundstück anzusetzen, und gibt es daraus besondere Konsequenzen für die geplante Gründung?“

Bei einem normalen ebenen Grundstück wird die Antwort oft unspektakulär sein.

Bei einem schwierigen Hang- oder Auffüllgrundstück kann sie dagegen sehr relevant werden.

Quellen

  1. Ministerium Baden-Württemberg: Erdbebensicher Bauenmlw.baden-wuerttemberg.de
  2. Amtliche Karte der Erdbebenzonen und geologischen Untergrundklassen Baden-Württemberg, Ausgabe 2005mlw.baden-wuerttemberg.de
  3. Aktuelle VwV Technische Baubestimmungen, gültig seit 12. Januar 2026mlw.baden-wuerttemberg.de
  4. Übersicht der aktuellen Technischen Baubestimmungenmlw.baden-wuerttemberg.de
  5. Landeserdbebendienst Baden-Württembergmakroseismik.lgrb-bw.de
  6. LGRB-Geodaten des Landeserdbebendienstesgeoportal.lgrb-bw.de
  7. Planungshilfe des Landes Baden-Württembergmlw.baden-wuerttemberg.de